FIFA-Dienst zum Schutz vor Anfeindungen in den sozialen Medien
Bekämpfung von Onlinebeleidigungen bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™
Gemäß einem unabhängigen Bericht war mehr als die Hälfte der Spieler, die an der Schlussphase der UEFA EURO 2020 und des Afrikanischen Nationen-Pokals 2021 teilnahmen, Ziel von Onlinebeleidigungen.
Aus diesem Grund ist der vor der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ eingeführte FIFA-Dienst zum Schutz vor Anfeindungen in den sozialen Medien enorm wichtig. Mit der aktiven Meldung und Moderation beleidigender Botschaften im Auftrag der teilnehmenden Teams und Spieler konnten sich diese und ihre Follower voll auf die grösste Show auf Erden konzentrieren.
Dienst zum Schutz vor Anfeindungen in den sozialen Medien bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™
Posts/Kommentare analysiert
Kommentare ausgeblendet
Posts mithilfe künstlicher Intelligenz markiert und von Menschen überprüft
Posts/Kommentare für beleidigend befunden und den Plattformen gemeldet
einzelne Konten als Absender beleidigender Botschaften identifiziert
Konten für praktische Massnahmen identifiziert
Ausmaß von Beleidigungen
Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ wurde für die folgenden Teilnehmer ein Schutzschirm eingerichtet:
864 Spieler und Trainer mit 2.000 aktiven Konten
129 Offizielle mit 31 aktiven Konten
32 Teams/Verbände mit 126 aktiven Konten
Der Schutzschirm erstreckte sich auf die fünf grossen Social-Media-Plattformen Facebook, Instagram, TikTok, Twitter und YouTube.
Geschützte Konten
| Plattform | Aktive Konten |
| 43% | |
| 26% | |
| 24% | |
| Tiktok | 6% |
| YouTube | 1% |
Die Teilnehmer wurden vor beleidigenden Inhalten in ihren offiziellen Landesprachen sowie den offiziellen FIFA-Sprachen geschützt.
Die Überwachungsfunktion des Dienstes scannte während des Turniers 20 Millionen Posts und Kommentare auf Twitter, Instagram, Facebook, TikTok und YouTube.
Das System markierte 433 696 Posts/Kommentare aufgrund von Inhalten, die tatsächlich oder möglicherweise beleidigend waren. Dieser Datensatz wurde dann von einem Team von Fachanalysten in einem doppelten Triageverfahren überprüft, damit keine Posts fälschlicherweise gekennzeichnet und falsch positive Befunde ausgesondert wurden. So wurden vom Dienstleistungserbringer schliesslich 19 636 Posts/Kommentare als beleidigend, diskriminierend oder einschüchternd bestätigt. Diese wurden daraufhin den jeweiligen Plattformen als Verstoss gegen deren Community-Richtlinien gemeldet. Dank der Meldung seitens der FIFA wurden die beleidigenden Posts von der jeweiligen sozialen Plattform oftmals entfernt.
Wie die UEFA EURO 2020 und der Afrikanische Nationen-Pokal 2021 gezeigt haben, sind oft Ereignisse und Ergebnisse auf dem Spielfeld Anlass für die Beleidigung der teilnehmenden Spieler und Teams. Besonders heftig waren die Reaktionen bei den K.-o.-Spielen, da diese über Weiterkommen oder Ausscheiden entschieden. Die politischen Meinungen oder persönlichen Verhältnisse der Spieler wurden oft als Auslöser für Anfeindungen identifiziert.
Während 26 % aller erkannten Beleidigungen als „allgemeine Beleidigungen“ eingestuft wurden, waren 17 % sexueller Art. Sexismus (13 %), Homophobie (12 %) und Rassismus (11 %) waren ebenfalls verbreitet.
Gewalt und Drohungen wurden im Verlauf des Turniers extremer, indem die Familien der Spieler ins Visier genommen wurden und viele im Fall einer Rückkehr in ein bestimmtes Land – Heimatland oder Land des Klubs – bedroht wurden.
Kategorien von Beleidigungen
| Identifizierte Beleidigungen nach Kategorie: alle Plattformen | % |
| Allgemeine Beleidigungen | 26.24% |
| Sexuelle Beleidigungen | 17.09% |
| Sexismus | 13.47% |
| Homophobie | 12.16% |
| Rassismus | 10.70% |
| Angriffe gegen Familienangehörige | 6.56% |
| Gewalt | 5.62% |
| Behindertenfeindlichkeit | 2.07% |
| Islamophobie | 1.94% |
| Codierte Sprache | 1.74% |
| Diskriminierung von Sinti, Roma und Fahrenden | 0.37% |
| Transphobie | 0.28% |
| Besondere Begriffe | 0.26% |
| Politische Beleidigungen | 0.24% |
| Antisemitismus | 0.18% |
| Innergemeinschaftliche Verunglimpfungen | 0.09% |
| Sektierertum | 0.07% |
Alle Inhalte, die ausdrückliche oder implizite Verweise auf einen oder mehrere der in Art. 4 der FIFA-Statuten genannten Gründe enthielten und deren Kontext vernünftigerweise als schädlich erachtet werden konnte, wurden moderiert, überwacht und gemeldet.
"Jegliche DISKRIMINIERUNG eines Landes, einer Einzelperson oder von Personengruppen aufgrund von ethnischer, nationaler oder sozialer Herkunft, Geschlecht, Behinderung, Religion, politischer Meinung, Wohlstand, Geburt oder sexueller Neigung ist STRENG VERBOTEN." Artikel 4 der FIFA-Statuten
Sämtliche Inhalte, die Gewaltandrohungen gegen Personen oder deren Familienmitglieder aufwiesen, wurden automatisch für eine Beurteilung ausgesondert.
Diskriminierung ist eine Straftat. Mit diesem Tool identifizieren wir die Täter und melden sie den Behörden, damit sie für ihre Taten bestraft werden können. Unsere Haltung ist klar: Wir sagen Nein zu Diskriminierung.
Trends und Erkenntnisse
Es gab mehrere Brennpunkte während des Turniers. Die höchste Zahl an gezielten Beleidigungen wurde nach dem Viertelfinalspiel zwischen England und Frankreich verzeichnet. Der zweithöchste Wert wurde rund um das Finale registriert. Während der Gruppenphase gab es die meisten Beleidigungen rund um die Partie zwischen Deutschland und Japan.
Beleidigungen im Turnierverlauf
| Spiel | Zahl | Datum |
| Katar - Ecuador | 6262 | 20. November 2022 |
| Mexiko - Polen | 6861 | 22. November 2022 |
| Deutschland - Japan | 8785 | 23. November 2022 |
| Portugal - Uruguay | 4807 | 28. November 2022 |
| Saudiarabien - Mexiko | 8292 | 30. November 2022 |
| Costa Rica - Deutschland | 8652 | 1. Dezember 2022 |
| Ghana - Uruguay | 7177 | 2. Dezember 2022 |
| Marokko - Spanien | 4206 | 6. Dezember 2022 |
| Marokko - Portugal | 10 757 | 10. Dezember 2022 |
| England - Frankreich | 12 823 | 10. Dezember 2022 |
| Nach England - Frankreich | 7895 | 11. Dezember 2022 |
| 1. Halbfinale | 7215 | 13. Dezember 2022 |
| 2. Halbfinale | 6878 | 14. Dezember 2022 |
| Finale | 11 709 | 18. Dezember 2022 |
Am Tag des Finales der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ und in den 24 Stunden danach scannte und analysierte der Dienst zum Schutz vor Anfeindungen in den sozialen Medien mehr als 1,6 Millionen Posts und Kommentare. Davon wurden mehr als 45 000 für eine menschliche Überprüfung ausgesondert. 1239 wurden direkt den betreffenden Social-Media-Plattformen für weitere Massnahmen gemeldet.
Im Vergleich zu den Finalspielen der UEFA EURO 2020 und des Afrikanischen Nationen-Pokals 2021 fiel beim Finale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ die Bandbreite von Beleidigungen gegen Spieler auf. So standen bei den ersten beiden Turnieren rassistische und homophobe Inhalte im Zentrum. 78 % aller entdeckten Beleidigungen entfielen auf eine dieser beiden Kategorien.
Arten von Beleidigungen nach Finals
| Finale der EM 2020/des Afrikanischen Nationen-Pokals 2022 | % | Finale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ | % |
| Homophobie | 40% | Allgemeine Beleidigungen | 24% |
| Rassismus | 38% | Sexuelle Beleidigungen | 18% |
| Islamophobie | 6% | Rassismus | 18% |
| Behindertenfeindlichkeit | 6% | Sexismus | 13% |
| Sonstige Beleidigungen | 4% | Homophobie | 9% |
| Xenophobie | 3% | Angriffe gegen Familienangehörige | 8% |
| Gewalt | 4% | ||
| Behindertenfeindlichkeit | 2% | ||
| Transphobie | 1% | ||
| Xenophobie | 1% | ||
| Codierte Sprache | 1% | ||
| Diskriminierung von Sinti, Roma und Fahrenden | 1% |
Rassistische und homophobe Beleidigungen sind am auffälligsten und von den Plattformen am einfachsten zu identifizieren/zu bekämpfen, während subtilere Beleidigungen (wie Angriffe gegen Familienmitglieder, codierte Sprache oder Beleidigungen in anderen Sprachen als Englisch) schwieriger zu erkennen sind.
Die französischen Spieler, die sich den Vizeweltmeistertitel holten, wurden während des Turniers insgesamt am meisten beleidigt. Die Spieler- und Teamkonten Brasiliens und Englands waren ebenfalls oftmals Ziel. Während der Gruppenphase verzeichnete Mexiko fast doppelt so viele beleidigende Botschaften gegen seine Spieler wie die anderen Teams. Die in den früheren Turnierphasen erkannten Beleidigungen waren oft auf konkrete Ereignisse zurückzuführen. So wurde England besonders für Vorfälle abseits des Spielfelds angegriffen, während Deutschland und die USA im Zusammenhang mit nicht spielbezogenen Ereignissen eine hohe Zahl homophober Botschaften verzeichneten.
Anlass für Beleidigungen waren auch mangelnde Leistung und Spielerprofile. Bemerkenswert war auch der Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Posts auf offiziellen Kanälen und der Zahl von Beleidigungen.
Angegriffene Teams
| Kategorie von Beleidigungen | Deutschland | Marokko | USA | Portugal | Uruguay | Argentinien | Mexiko | England | Brasilien | Frankreich |
| Behindertenfeindlichkeit | 8 | 7 | 58 | 42 | 15 | 32 | 31 | 136 | 59 | 75 |
| Diskriminierung von Sinti, Roma und Fahrenden | 0 | 0 | 0 | 5 | 0 | 7 | 13 | 4 | 0 | 7 |
| Antisemitismus | 2 | 0 | 4 | 3 | 0 | 3 | 2 | 19 | 1 | 11 |
| Codierte Sprache | 8 | 12 | 84 | 14 | 7 | 7 | 9 | 141 | 44 | 58 |
| Angriffe gegen Familienangehörige | 29 | 51 | 67 | 57 | 189 | 121 | 53 | 163 | 89 | 463 |
| Allgemeine Beleidigungen | 101 | 131 | 243 | 342 | 283 | 344 | 697 | 1171 | 903 | 1328 |
| Homophobie | 148 | 146 | 146 | 51 | 40 | 77 | 194 | 319 | 121 | 697 |
| Innergemeinschaftliche Verunglimpfungen | 0 | 3 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 2 | 0 | 3 |
| Islamophobie | 90 | 21 | 13 | 6 | 1 | 1 | 0 | 5 | 5 | 54 |
| Politische Beleidigungen | 6 | 6 | 0 | 2 | 1 | 6 | 0 | 0 | 15 | 27 |
| Rassismus | 44 | 117 | 66 | 60 | 52 | 130 | 103 | 401 | 215 | 762 |
| Sektierertum | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 1 | 8 | 3 | 2 |
| Sexismus | 63 | 115 | 69 | 173 | 292 | 264 | 329 | 125 | 724 | 913 |
| Sexistische Beleidigungen | 62 | 159 | 176 | 210 | 289 | 287 | 226 | 284 | 814 | 941 |
| Besondere Begriffe | 3 | 2 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 53 | 4 |
| Transphobie | 0 | 6 | 0 | 0 | 0 | 0 | 1 | 1 | 7 | 57 |
| Gewalt | 14 | 28 | 114 | 121 | 42 | 68 | 138 | 241 | 72 | 209 |
| Xenophobie | 19 | 6 | 6 | 4 | 0 | 0 | 0 | 23 | 3 | 31 |
| Total: | 597 | 810 | 1,046 | 1,090 | 1,211 | 1,347 | 1,797 | 3,043 | 3,128 | 5,642 |
Praktische Maßnahmen
Im Rahmen des Dienstes zum Schutz vor Anfeindungen in den sozialen Medien hatten die Teams und Spieler des Turniers Zugang zu einer Software, mit der beleidigende und ausfällige Kommentare auf Facebook, Instagram und YouTube mit Erlaubnis des Kontoinhabers sofort und automatisch ausgeblendet wurden.
Dank diesem Moderationselement wurden 286 895 Kommentare vor der Öffentlichkeit verborgen, ehe die Zielperson oder ihre Follower den Inhalt sehen konnten.
Zur Unterstützung praktischer Massnahmen gegen die Absender von Onlinebeleidigungen an Teams und Spieler des Turniers kategorisierte der Dienst zum Schutz vor Anfeindungen in den sozialen Medien mithilfe eines eigenen Systems die betreffenden Kommentare/Posts nach Schweregrad:
3. Kategorie:
Inhalte, die gegen die Nutzungsbedingungen oder Community-Richtlinien der Plattform verstossen und entfernt werden sollten
2. Kategorie:
Mögliche Massnahmen der Verbände oder nationalen Klubs in Form von Aufklärungskampagnen oder Ticketsanktionen
1. Kategorie:
Gegebenenfalls Einleitung strafrechtlicher Schritte
Während des Turniers wurden von 12 618 Konten Beleidigungen oder Drohungen abgeschickt. 1189 dieser Konten wiesen Kommentare auf, die in die 1. Kategorie eingestuft wurden. 306 davon wurden vom Dienstleistungserbringer auf ihre Identität hin überprüft.
Von den 12 618 Konten, von denen während des Turniers Beleidigungen verschickt wurden, konnte bei 7204 die Herkunft ermittelt werden. 38 % stammten aus Europa (17 % aus Grossbritannien), fast ebenso viele aus Südamerika.
Herkunft der Beleidigungen
| Ort | % |
| Europa | 38% |
| Südamerika | 36% |
| Asien | 10% |
| Afrika | 8% |
| Nord- und Mittelamerika | 8% |
Die überprüften Daten der genannten 306 Konten wurden von der FIFA an die betreffenden Verbände und zuständigen Behörden weitergeleitet, damit gegen die Absender beleidigender, diskriminierender oder einschüchternder Kommentare an Teams und Spieler während der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ konkrete Schritte eingeleitet werden konnten.
Hier können Sie den gesamten Bericht herunterladen (nur auf Englisch verfügbar).