Mittwoch 07 Juni 2023, 03:00

Klublizenzierungsreglement für Frauenfussball fördert die Professionalisierung in Argentinien

  • Nationales Reglement des AFA seit 2021 in Kraft

  • FIFA wirkte über Programm zur Frauenfussballförderung an der Anfertigung mit

  • Carmina Aztarbe: "Lizenzen werden Wachstum der Sportart begleiten und in geordnete Bahnen lenken"

Im März vor vier Jahren hatte der argentinische Fussballverband (AFA) die Professionalisierung des Frauenfussballs angekündigt. Seitdem hat sich die Sportart kontinuierlich weiterentwickelt und bereits einige Meilensteine erreicht.

Einen dieser Meilensteine gab es Ende 2021, als der AFA mit Unterstützung des FIFA-Programms zur Frauenfussballförderung sein erstes Klublizenzierungsreglement präsentierte und dessen Einhaltung zur Auflage für die Teilnahme an der ersten Liga machte.

"Nach der Professionalisierung war das Reglement eines der erforderlichen Instrumente zur Unterstützung der Klubs, die sich in einer Disziplin zu entwickeln begannen, die sehr viel Potenzial hat und kurz vor dem großen Durchbruch zu stehen schien", erklärt Carmina Aztarbe, beim AFA verantwortlich für Klublizenzen im Frauenfussball, im Gespräch mit FIFA.com.

Carmina Aztarbe (AFA) at Work  - FIFA U20 World Cup Argentina 2023

"Der Prozess begann während der Pandemie, als Javier Vijande Penas, Leiter der Klublizenzierung, mich mit ins Boot geholt hat. Seitdem konnten wir auf die Unterstützung der FIFA zählen, die uns geholfen hat, zwei Seminare mit den Klubs zu organisieren. Das erste war ein virtuelles, das zweite, im November 2021, ein Präsenzseminar, bei dem wir das Reglement vorgestellt haben. Es hat sich als sehr wichtig erwiesen", betont die aus Tandil stammende 34-jährige Fussballbegeisterte.

Aztarbe beschreibt die Herausforderung, mit der sie konfrontiert war. "Die erste Lizenz, die vergeben wurde, war wie ein Pilotprojekt, anhand dessen wir uns alle in das System eingearbeitet und den Klubs die Arbeitsabläufe erklärt haben. Wir waren nicht so streng, denn alles war noch neu und die Klubs mussten zum ersten Mal Formulare und Unterlagen einreichen ... Da fanden wir es so am sinnvollsten."

Später geht sie näher auf das Thema ein. "Von Anfang an haben wir uns mit den Klubs auf eine Stufe gestellt und ihnen erklärt, dass die Lizenz kein Kontrollmechanismus ist, sondern eher ein Begleitmechanismus, der ihnen helfen soll, eine formellere, strukturierte und stabile Struktur zu schaffen, die sie auf den Weg des Wachstums bringen und die Entwicklung fördern soll."

Aztarbe geht auf einen weiteren Aspekt ein, den der AFA für wichtig hielt. "Wir mussten die Unterschiede zwischen den Klubs der ersten Liga analysieren, denn es gibt einige 'größere' mit mehr Infrastruktur, Tradition und personellen Ressourcen, und einige 'kleinere'. Unsere Arbeit bestand unter anderem darin, diese Unterschiede zu verstehen und uns entsprechend anzupassen, um das Wachstum der 'kleineren' Klubs zu unterstützen. Denn das dauert länger, obwohl der eine oder andere schon Titel gewonnen hat."

Arijana Demirovic, Frauenfussball-Entwicklungsmanagerin bei der FIFA, lobt das bisherige Vorgehen. "Die FIFA ist stolz auf die Arbeit des AFA, der unser Entwicklungsprogramm im Bereich der Lizenzierung von Frauenfussballklubs genutzt hat, um das System richtig zu strukturieren. Die Begleitung, die der Verband den Klubs in Person von Carmina Aztarbe zuteilwerden lassen hat, ist entscheidend für den langfristigen Erfolg des Systems."

Aztarbe bedankt sich und macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass die FIFA den Klubs Bälle und Kleidung von adidas sowie den FIFA-Leitfaden zur Klublizenzierung im Frauenfussball zur Verfügung gestellt hat und darüber hinaus jeden Verband auffordert, lokale Besonderheiten in die Gestaltung des Reglements einfließen zu lassen.

"Unser Reglement basiert auf denen der FIFA und der CONMEBOL, wobei wir ein neues Kriterium aufgenommen haben. Den Kriterien Sport, Administration, Recht, Infrastruktur und Finanzen haben wir noch das Kriterium "Gleichstellung und Geschlecht" hinzugefügt.

Wir wollten wissen, was das genau bedeutet. "Die Klubs müssen bei Fällen von Gewalt und Diskriminierung ein Handlungsprotokoll vorlegen. Damit wollten wir dem Wandel Rechnung tragen, der in unserem Land nicht nur im Fussball sondern in der gesamten Gesellschaft bezüglich der Rolle der Frau stattfindet. Dieser Punkt wurde von allen sehr positiv aufgenommen", fügt sie hinzu.

Tatsächlich waren laut Aztarbe die Reaktionen auf das gesamte Reglement positiv. "Wir waren angenehm überrascht vom Engagement der Klubs, dem Interesse an einer Professionalisierung und der Aufmerksamkeit, die sie Themen zukommen ließen, die vorher unbeachtet geblieben waren."

Carmina Aztarbe (AFA) at Work  - FIFA U20 World Cup Argentina 2023

Aztarbe, Mitglied des lokalen Organisationskomitees der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Argentinien 2023™in Mendoza, ist sich bewusst, welchen Einfluss die Teilnahme der Albiceleste an der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Australien & Neuseeland 2023™ haben wird und kündigt bereits die nächsten Schritte an.

"Bevor im September die jährliche Erneuerung der Lizenzen ansteht, wollen wir allen 20 Klubs einen Besuch abstatten, die in der ersten Liga aktiv sind. Wir haben dies aus verschiedenen Gründen aufgeschoben, jetzt scheint es uns aber entscheidend zu sein. Diese Besuche, das Ausräumen von Zweifeln vor Ort und die intensivere Beschäftigung mit der Struktur der Klubs, ihrer Geschichte und ihren Bedürfnissen werden uns helfen, die positive Entwicklung fortzusetzen."

Die argentinische Liga wurde in den im Oktober 2022 veröffentlichten FIFA-Benchmarking-Bericht Setting the Pace aufgenommen, der eine tiefgreifende Analyse des Elitefrauenfussballs in aller Welt bietet.

Der AFA hat ebenfalls einen Bericht über Klubs mit Daten zum Frauen- und Männerfussball veröffentlicht: KLUBREPORT | AFA – FIFA 2022 – JAHRESBERICHT