Montag 27 Juni 2016, 07:17

Messi: "Für mich ist es im Nationalteam vorbei"

Die Nachricht hallte von allen Wänden des MetLife Stadiums in New Jersey wider und machte in Sekundenschnelle die Runde um die Welt: Lionel Messi erklärte seinen Rücktritt aus der argentinischen Nationalmannschaft.

"Es ist ein schwerer Moment für die Analyse. Mein erster Gedanke schon in der Kabine war: Das war‘s, die Zeit in der Nationalmannschaft ist für mich vorbei. Ich habe vier Endspiele verloren, das bedaure ich. Ich bin sehr traurig", sagte La Pulga in der Mixed Zone unmittelbar nach der Finalniederlage im Elfmeterschießen bei der Copa América Centenario gegen Chile.

Niedergeschlagen, aber mit einer Miene, die eher auf eine wohl überlegte als impulsive Entscheidung schließen ließ, fuhr er fort: "Zu allem Überfluss musste ich den Elfmeter verschießen. Er war so wichtig, um den Unterschied zu machen, und ich habe ihn vergeben. Ich denke, es ist das Beste für Alle. Es ist vorbei, ich habe alles versucht. Ich gehe, ohne mit der Nationalmannschaft den Titel erringen zu können."

Es bleibt abzuwarten, ob die Niederlage gegen Chile im Finale der Copa América Centenario tatsächlich sein letztes Spiel für La Albiceleste sein wird. Sicher ist jedoch, dass La Pulga in den USA einen Schlussstrich unter ein Kapitel im Nationaltrikot gezogen hat.

Ein Elfmeter, ein Wunsch Die Erklärung des nunmehr Ex-Kapitäns trübte alles, was in jenen 120 Minuten zuvor auf dem Platz geschehen war. Argentinien hatte auf jede erdenkliche Weise versucht, den Widerstand der Chilenen zu brechen. Aber ähnlich wie im Finale der Copa América 2015 gelang dies trotz einiger weniger Chancen nicht.

Der große Unterschied zum vergangenen Jahr war, dass Messi im entscheidenden Elfmeterschießen seinen Versuch vergab. Und er verschoss ausgerechnet wenige Sekunden, nachdem Sergio Romero den ersten chilenischen Elfmeter von Arturo Vidal abgewehrt hatte. Ein schwerer Schlag, der zweifellos in den Köpfen seiner Teamkameraden nachwirkte.

Zu denjenigen, die seine Entscheidung am meisten überraschte, gehörte der Kapitän des chilenischen Doppel-Südamerikameisters und Teamkamerad Messis beim FC Barcelona, Claudio Bravo. Von den Journalisten in der Mixed Zone dazu befragt, konnte der Schlussmann seine Überraschung nicht verbergen.

Doch nach dem ersten Schock fing sich Bravo und legte seinen Standpunkt dar: "Für mich ist er der Beste der Welt. Wir alle kennen seine Qualitäten als Spieler, aber vor allem als Mensch. Ich hoffe, dass er noch viele Jahre für Argentinien weiterspielt. So etwas gewinnt oder verliert nicht ein einzelner Spieler."

Seine Entscheidung im Kontext Die vier von Messi erwähnten verlorenen Endspiele waren die bei der Copa América 2007, 2015 und 2016 sowie das Finale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™. Dort wurde er mit dem adidas goldenen Ball ausgezeichnet. Er nahm außerdem an den FIFA Fussball-Weltmeisterschaften Deutschland 2006 und Südafrika 2010 teil.

La Pulga holte dagegen zwei Titel mit den argentinischen Junioren. Bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2005, wo er zudem mit dem goldenen Schuh und dem goldenen Ball ausgezeichnet wurde, und beim Olympischen Fussballturnier Peking 2008.

Sein Debüt in der A-Nationalelf gab er am 17. August 2005 in einem Freundschaftsspiel gegen Ungarn. Messi war gerade 18 Jahre alt und kassierte bereits nach 47 Sekunden einen Platzverweis. Seitdem bestritt er 112 Länderspiele für Argentinien, womit er in der Rangliste der argentinischen Rekordnationalspieler auf dem vierten Platz liegt.

Am vergangenen 21. Juni erzielte er mit einem sehenswerten Freistoßtreffer sein 55. Länderspieltor und entthronte damit Gabriel Batistuta als Rekordtorschütze der Albiceleste. Schon an jenem Tag aber bekräftigte er, dass für ihn nur der Titelgewinn zähle. "Hoffentlich entgleitet er uns dieses Mal nicht. Es ist die große Hoffnung und die Sehnsucht aller, dass wir es endlich schaffen. Wir verdienen es aufgrund der Arbeit, die wir in den letzten Jahren geleistet haben."

Nur Messi selbst weiß, wie sehr das Nichterreichen dieses Ziels seine Entscheidung beeinflusst hat oder inwiefern andere Faktoren hineingespielt haben, wie beispielsweise die Kritiken im eigenen Land oder der ewige Vergleich mit Maradona. Er wird dies sowie die Frage, ob die Entscheidung zurückgenommen werden kann, wohl bei passender Gelegenheit beantworten. Wer könnte ihn dazu bringen, seine Meinung zu ändern?

Gesichert ist momentan nur, dass sich einer der besten Fussballer aller Zeiten und fünffacher Gewinner des FIFA Ballon d’Or aus der Albiceleste verabschiedet hat. Die Zeit wird zeigen, welchen Platz er in der Geschichte der argentinischen Nationalmannschaft einnehmen und was sein Vermächtnis sein wird.