Laut der Technischen Studiengruppe (TSG) haben aufstrebende Fussballnationen wie Curaçao und Kap Verde gezeigt, dass es bei der erweiterten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ keine leichten Spiele mehr gibt
Neue Regeln zur Verhinderung von Zeitspiel werden gelobt, da sie für schnellere Partien sorgen und Spielverzögerungen begrenzen
Daten der TSG zeigen klaren Zusammenhang zwischen schneller Balleroberung und Erfolg
In der Gruppenphase der ersten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ mit 48 Mannschaften haben viele „kleine Teams“ aus aller Welt deutlich Eindruck hinterlassen, und selbst die stärksten Nationen hatten laut der TSG der FIFA mit zahlreichen harten Prüfungen zu kämpfen.
Nach Abschluss der Gruppenphase gaben die TSG-Mitglieder Pablo Zabaleta, Jon Dahl Tomasson, Gilberto Silva und Otto Addo zusammen mit dem leitenden Fussballexperten der FIFA, Pascal Zuberbühler, und Tom Gardner von FIFA Football Performance Insights bei einer Pressekonferenz ihre erste gemeinsame Einschätzung zum erweiterten Turnier ab.
„Ich liebe diesen Wettbewerb. Natürlich habe auch ich mich gefragt: ‚Wow, 48 Teams, wie das wohl laufen wird? Wird der Leistungsunterschied riesig sein oder nicht?‘ Jetzt wissen wir erst einmal mehr und haben alles gesehen, was es bisher zu sehen gab. Es ist fantastisch, welche Leistungen die Teams zeigen“, so TSG-Leiter und ehemaliger Schweizer Nationaltorwart Zuberbühler.
„Man sieht, dass auch die kleineren Nationen gegen die vermeintlich Grossen mithalten können. Diese Entwicklung haben wir bisher mit viel Freude beobachtet.
Wir hatten auch keine wirklich hohen Niederlagen, bei denen eine Mannschaft zwei- oder dreimal hintereinander mit sieben Toren Unterschied verloren hätte. Natürlich war Deutschlands 7:1-Sieg gegen Curaçao ein deutliches Ergebnis, aber es stand dort ziemlich lange Zeit 1:1. Für mich ist das schon jetzt eine riesige Sensation bei dieser WM. Das zeigt, dass der globale Fussball massiv wächst“, sagte er.
Der ehemalige argentinische Nationalspieler Zabaleta stimmte zu, dass die Bedenken hinsichtlich zunehmender einseitiger Spiele unbegründet gewesen seien. „Man sieht, wie diese Favoriten in der Gruppenphase ein wenig zu kämpfen hatten, und das zeigt, dass es heutzutage keine leichten Gegner mehr gibt. Man muss Leistung bringen und gut spielen, um Siege einzufahren“, sagte er.
Der ehemalige Bundesliga-Spieler und Ex-Nationaltrainer Ghanas, Otto Addo, hob hervor, dass neun der zehn afrikanischen Mannschaften bei diesem Turnier die K.o.-Runde erreicht hätten.
„Ich bin sehr, sehr froh, dass die afrikanischen Teams diese Chance nutzen, um zu zeigen, was sie draufhaben. Generell war es für jede Mannschaft ein harter Weg, hierher zu kommen, und jeder, der hier ist, hat es verdient. Ich freue mich riesig, dass sie ihre Qualität unter Beweis gestellt haben. Kap Verde ist meiner Meinung nach eine echte Bereicherung für dieses Turnier, und das ist wirklich schön zu sehen“, so Addo, der auch die Debütanten aus Curaçao für ihr Unentschieden gegen Ecuador lobte – der erste Punkt, den die Karibiknation bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ jemals geholt hat.
Die von Gardner vorgestellten Daten der TSG lassen erkennen, dass in diesem Turnier mehr Treffer fallen als je zuvor. „Die Anzahl der Tore pro Spiel ist von 2018 bis 2022 gestiegen und liegt derzeit bei knapp unter drei pro Partie“, sagte er.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse der TSG ist der Zusammenhang zwischen schnellem Ballgewinn und siegreichen Spielen.
„Wir sehen eine starke Korrelation zwischen Mannschaften, die Gegenpressing betreiben und den Ball schnell zurückerobern, und ihrem Erfolg. Siegreiche Teams erobern das Leder im Schnitt vier Sekunden schneller zurück als ihre Gegner. In der K.o.-Runde werden wir das genau im Auge behalten, um zu sehen, ob sich dieser Trend fortsetzt“, fügte Gardner hinzu.
Die Expertenrunde lobte einstimmig die Auswirkungen der Regeländerungen, die das Spiel beschleunigen sollen.
„Man sieht ja heute, dass die Spieler nicht mehr zu Boden gehen und Zeit schinden, weil sie genau wissen, dass sie dann raus müssen und ihr Team vielleicht eine Minute lang mit zehn Mann spielen muss. Auch die Torhüter beeilen sich und verschwenden keine Zeit mehr, wenn sie den Ball fangen, denn sonst gibt es eine Ecke. Die neuen Regeln machen das Spiel meiner Meinung nach dynamischer“, so Zabaleta.
Der ehemalige dänische Stürmer und frühere schwedische Nationaltrainer Tomasson sagte, er sei froh, dass das Zeitschinden endlich aufhöre. „Ich hasse es, wenn Mannschaften immer nur Zeit schinden. Ich finde es einfach schlecht … wir müssen unseren Sport schützen, denn beim Fussball muss es spannend bleiben.“
Die Expertenrunde stellte fest, dass die Trinkpausen es den Mannschaften ermöglicht hätten, ihre Taktik mitten in einer Halbzeit anzupassen, und laut Zabaleta trugen sie auch dazu bei, dass die Spieler ihre Bestleistung abrufen konnten. „Diese Pausen geben einem die Chance, sich ein bisschen auszuruhen und die folgenden 25 Minuten etwas frischer anzugehen“, sagte er.
Der frühere brasilianische Mittelfeldspieler Gilberto lobte auch die „FIFA Power Rankings unterstützt von Aramco“. Dieses neue datengestützte Tool, das für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ entwickelt wurde, rücke Spieler ins Rampenlicht, die nicht unbedingt zu den Torjägern gehören.
„Es ist toll, dass die Leute nun erkennen, wie wichtig die defensiven Mittelfeldspieler sind, wie hart sie für die Mannschaft arbeiten und wie sie Druck ausüben. Wir reden hier viel über das Thema Gegenpressing und darüber, wie wichtig es ist, dass diese Akteure den Ball an die Spieler vor ihnen weiterleiten. Wie entscheidend es ist, dass sie sich in der Defensive vor den Verteidigern positionieren. Aber auch, dass ihnen diese Anerkennung in den Power-Rankings zuteilwird. Ich freue mich riesig, das zu sehen.“
Die Berichte der TSG zu den einzelnen Spielen des Turniers sowie ausführliches Material zu Training und Taktik gibt es unter https://www.fifatrainingcentre.com/de/