Erstes WM-Tor Curaçaos am 14. Juni gegen Deutschland dank Livano Comenencia
Vater Liomar, geboren in Curaçao und später in die Niederlande ausgewandert, beim Spiel seines Sohnes in Houston (Texas) dabei
Liomar: „Das bedeutet mir alles – für Curaçao und meinen Sohn“
Mit einem selbstbewussten und perfekt getimten Schuss per linkem Fuss bescherte Mittelfeldspieler Livano Comenencia Curaçao einen unvergesslichen Moment und seinem Vater damit ein verfrühtes, aber perfektes Geschenk zum Vatertag.
Curaçao, das flächen- und einwohnermässig kleinste Land, das sich jemals für eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ qualifiziert hat, lag am 14. Juni im Auftaktspiel der Gruppe E gegen den haushohen Favoriten Deutschland mit 0:1 zurück. In der 21. Minute der Begegnung in Houston (Texas) lag der Ball nach einer gut getimten Abwehraktion von Verteidiger Nico Schlotterbeck innerhalb des Strafraums der Deutschen frei. Comenencia nutzte die Gelegenheit, sprintete in den Strafraum und schoss den Ball flach und direkt an Torhüter Manuel Neuer vorbei ins linke Eck.
Deutschland gewann die Partie am Ende zwar mit 7:1, doch die Freude über das erste WM-Tor in der Geschichte Curaçaos hielt weit über den Schlusspfiff hinaus an.
„Wir haben so hart dafür gearbeitet, hier zu sein und uns jeder Situation zu stellen. Und heute habe ich tatsächlich bei einer Weltmeisterschaft ein Tor geschossen. Damit habe ich Geschichte geschrieben – für mich selbst und mein Land“, sagte Comenencia nach dem Spiel. Es ist einfach wunderschön, dass mein Traum wahr geworden ist.“
Mit seinem Treffer erfüllte Comenencia auch einen lang gehegten Traum seines Vaters. Denn bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ können die Spieler auf höchster Ebene etwas bewirken und gleichzeitig für sich selber Geschichte schreiben.
„Im ersten Moment war mir gar nicht bewusst, wer es war. Nur, dass Curaçao getroffen hat“, erinnerte sich Livanos Vater Liomar Comenencia an den euphorischen Moment in Houston. „Ich habe wie alle anderen gejubelt. Und als ich realisiert habe, dass es mein Sohn war, schaute ich zu meiner Frau und sagte: ‚Hey, das war Livano! Livano hat getroffen!‘ Ich sah meinen Sohn weinen. Dann fing ich auch an zu weinen. Wir haben alle zusammen lauthals gejubelt.“
Liomar Comenencia zog mit seiner Frau von Curaçao in die Niederlande, wo Livano in Breda zur Welt kam. In seiner Jugend wurde er bei PSV Eindhoven ausgebildet, ehe er 2023 zu Juventus wechselte. Ein Jahr später entschied sich der frühere niederländische Juniorennationalspieler jedoch für die A-Nationalmannschaft von Curaçao. Am 18. November 2025 stand Livano in Kingston (Jamaika) auf dem Platz, als Curaçao gegen Jamaika ein 0:0 errang und sich damit überraschend, aber verdient für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ qualifizierte.
Ganz Curaçao jubelte
Im Gespräch mit der FIFA sagte Liomar: „Curaçao ist eine kleine Insel. Nach diesem aussergewöhnlichen Moment haben wir alle gefeiert und waren überglücklich. Wir haben getanzt. Es war einfach der reine Wahnsinn auf Curaçao.“
In Houston feierten die Comenencias weiter. Liomar spielte einst selbst Fussball, schaffte jedoch nie den ganz grossen Durchbruch. Als Livano beschloss, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten, unterstützte ihn dieser ohne Vorbehalt.
„Das bedeutet uns sehr viel. Wir haben so viel Arbeit investiert“, sagte Liomar. „Für ihn war es ausserdem wichtig, für Curaçao zu spielen. Er hatte ein Ziel und sagte mir, dass er jemand werden und seinen Überzeugungen folgen möchte. Wir standen immer hinter ihm, und bis heute hat er alles getan, was nötig war.“
„Das bedeutet mir alles – für Curaçao und meinen Sohn. Ich habe sehr hart dafür gearbeitet, dass dieser Traum wahr wird. Mir fehlen die Worte. Ich werde fast ein bisschen emotional.“
Im Houston-Stadion kochten die Emotionen hoch, als trotz der Niederlage deutlich wurde, was für eine Bedeutung dieses Tor für Curaçao und die Comenencias hatte.
Wir haben so hart dafür gekämpft, hier zu sein und jede Situation zu meistern, und heute ist es so, dass ich tatsächlich ein Tor bei der Weltmeisterschaft geschossen habe – damit schreibe ich Geschichte für mich selbst und mein Land.
„Über das Tor haben wir gar nicht so viel gesprochen. Wir waren einfach glücklich, ihn zu sehen“, sagte Liomar über das Wiedersehen mit seinem Sohn nach dem Spiel. „Wir waren einfach froh, ihn in die Arme zu schliessen und ihm zu sagen, wie sehr wir ihn lieben, weil wir wissen, wie hart er für diesen Moment gearbeitet hat.“
Der Treffer gegen Deutschland war Livanos drittes Länderspieltor für Curaçao. Sein erstes war ebenfalls ein wichtiges. Es war das Führungstor, das den Weg zum 2:0-Erfolg gegen Jamaika in der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ im Oktober 2025 ebnete. Wenige Monate zuvor war Livano zum FC Zürich gewechselt. Das Trikot aus diesem richtungsweisenden Spiel vermachte er später dem FIFA Museum.
Nach der Trikotspende und dem historischen Tor gegen Deutschland stellt sich nun die Frage, ob Livano seinem Vater überhaupt noch ein grösseres Geschenk machen kann.
„Mit dem ersten Tor gegen Deutschland hat er mir bereits ein grossartiges Vatertagsgeschenk bereitet. Wenn er mir noch etwas schenken möchte, sage ich nicht Nein“, meinte Liomar. „Jedes Tor ist ein Geschenk – für Mütter und Väter gleichermassen.“
Dank dem 0:0 gegen Ecuador im zweiten Gruppenspiel hat Curaçao weiterhin Chancen auf den Einzug in die K.-o.-Phase der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™. Im letzten Spiel der Gruppe E trifft die Mannschaft am 25. Juni in Philadelphia (Pennsylvania) auf die Elfenbeinküste.
Doch unabhängig davon, wie und wann die inspirierende WM-Reise des karibischen Inselstaats endet, wird Liomar Comenencia immer stolz auf sein Land und seinen Sohn sein.
„Für uns ist es bereits ein Sieg, überhaupt hier zu sein und ein Tor erzielt zu haben. Alles Weitere wird sich weisen“, sagte er. „Nach dem letzten Spiel werden wir bestimmt ein paar verrückte Sachen machen.“