Freitag 13 März 2026, 21:00

„Guardians“ des Fussballs: Neue Absolventen beim zweiten FIFA-Gipfel zum Kinder- und Erwachsenenschutz gewürdigt

  • 123 Absolventen aus 100 FIFA-Mitgliedsverbänden wurden beim wegweisenden Kinder- und Erwachsenenschutzgipfel als neue „FIFA-Guardians” gefeiert

  • Laut FIFA-Präsident Gianni Infantino müsse der Fussball stets eine „sichere Umgebung“ bieten

  • Auch der FIFA-Generalsekretär beglückwünscht die neuen Absolventen per Videobotschaft

Der zweite FIFA-Gipfel zum Kinder- und Erwachsenenschutz mit rund 170 Teilnehmern, darunter Experten von der UNICEF, der UNESCO und aus dem Europarat, stand ganz im Zeichen einer verstärkten Fürsorgepflicht gegenüber Personen, die bei ihren Fussballaktivitäten gefährdet sind. Die Veranstaltung im „Home of FIFA“ in Zürich bot zudem die Gelegenheit, 123 Absolventen des globalen Ausbildungsprogramms für Ansprechpersonen im Bereich Kinder- und Erwachsenenschutz zu feiern.

Zum Auftakt der Zeremonie betonte FIFA-Präsident Gianni Infantino, dass die Schutzmassnahmen für den Erfolg dieses Sports von grundlegender Bedeutung seien. „Der Fussball kann diese wichtige integrative Wirkung nur dann entfalten, wenn wir dafür sorgen, dass jeder in einer sicheren Umgebung spielen kann – egal ob im Park, am Strand, in einer lokalen Liga oder in den grössten Stadien der Welt“, erklärte er in einer Videobotschaft.

Infantino erinnerte die 123 Absolventen aus rund 100 FIFA-Mitgliedsverbänden an ihre bedeutende Mission: „Ihr seid nun offiziell FIFA-Guardians. Ich bin mir sicher, dass ihr euch dieser riesigen Verantwortung bewusst seid, die ihr nun als Hüter für Kinder- und Erwachsenenschutz in euren Gemeinden tragt“, fügte er hinzu.

Im Mittelpunkt des Gipfels stand die Abschlussfeier für das „FIFA-Diplom im Kinder- und Erwachsenenschutz (Guardians)“, eine in Zusammenarbeit mit der Open University entwickelte berufliche Qualifikation. Diese zweite Teilnehmergruppe absolvierte ein anspruchsvolles 18-monatiges Programm, das fünf Online-Kurse mit insgesamt über 70 Lernstunden, fünf Webinare, zwei schriftliche Ausarbeitungen sowie intensive Workshops in St. George’s Park (England), Rabat (Marokko) und Asunción (Paraguay) umfasste.

Das seit Januar 2021 angebotene Programm erfreut sich einer enormen Beliebtheit: Weltweit haben sich fast 50 000 Menschen als offene Teilnehmer für mindestens einen Kurs angemeldet. Um diese globale Wirkung noch zu verstärken, wurde der bereits auf Englisch, Französisch und Spanisch vorliegende Lehrplan kürzlich auch ins Arabische und Portugiesische übersetzt.

Laut Marie-Laure Lemineur, Leiterin der FIFA-Abteilung für Kinder- und Erwachsenenschutz, deuten die steigenden Teilnehmerzahlen auf eine wachsende Akzeptanz im gesamten Ökosystem des Fussballs hin.

„Das Interesse an diesem wichtigen Thema nimmt zu. Wir beobachten dies in den einzelnen Ländern, auf Ebene der Konföderationen, in den Regionen, innerhalb bestimmter Teilregionen und auch beim Weltverband selbst“, sagte sie.

„Wer sich im Bereich Fussball beruflich weiterentwickeln möchte – ob als Trainer, Schiedsrichter oder Mitarbeiter eines Verbandes –, sollte sich unbedingt mit dem Thema Kinder- und Erwachsenenschutz auseinandersetzen, auch wenn dies nicht direkt zu seinen Aufgaben gehört. Es ist sehr wichtig, dass man sich über die Grundprinzipien dieser Thematik bewusst ist. Dazu gehört, Schaden zu verhindern und darauf zu reagieren, um gemeinsam mit den Kollegen innerhalb des Vereins oder Verbands effektiv zu einer Schutzkultur beizutragen.“

Bei dem Gipfel wurde deutlich, dass der Kinder- und Erwachsenenschutz alle am Spiel Beteiligten betrifft, auch diejenigen, die oft übersehen werden. Der japanische Forscher und Dozent Hiroshi Yamauchi sprach über die Bedeutung des Schutzes für Schiedsrichter. „Junge Unparteiische haben es manchmal schwer, weil sie von Trainern, Spielern oder sogar Zuschauern angegriffen werden“, gab er zu bedenken.

Laut Sainey Sissohore M’Boge, ehemalige gambische Nationalspielerin und Expertin für Kinder- und Erwachsenenschutz, helfe das Programm Fachleuten dabei, Probleme zu erkennen und die psychische Gesundheit junger Sportler zu wahren. „Der Schutz von Kindern und Erwachsenen ist etwas, woran man selbst mitwirken muss. Die Botschaft lautet: Jeder ist ein sogenannter Guardian“, sagte sie.

Die Absolventen hoben auch die Bedeutung der Präventionsarbeit hervor, um sicherzustellen, dass Bedingungen geschaffen werden, die das Risiko von Problemen begrenzen.

„Für mich ist der wichtigste Teil dieses Programms die Prävention. Diese Arbeit findet jedoch im Hintergrund statt“, so Marcos Tinoco, Generalsekretär des Fussballverbands der Kaimaninseln. „Wir können zwar nicht genau sagen, wie viele Fälle es gibt oder wie vielen Betroffenen wir helfen, aber Prävention ist in jedem Fall sehr wichtig.“

FIFA Safeguarding Summit 2026

Auf dem Gipfel wurde auch das schwerwiegende Problem des Menschenhandels angesprochen. Trainer Jimmy Jeoboam, Mitbegründer der Akademie „Kampos Saint-Denis“, betonte die Notwendigkeit von Aufklärung und Schulungen auf allen Ebenen, um etwas gegen die Ausbeutung von Menschen im Fussball zu unternehmen.

„Korrupte, zwielichtige Agenten und auch Präsidenten, die unserem Sport schaden, müssen bekämpft werden. Wir brauchen Hilfe von der FIFA und unseren Führungskräften, um gegen sie vorzugehen, unsere Kinder zu schützen und den Sport im Sinne der Kinder weiterzuentwickeln“, sagte er.

„Auch wenn nicht immer alles einfach ist, muss der Erlös aus dem Fussball für das Wohl der Kinder eingesetzt werden. Damit diese Mittel auch wirklich den Kindern zugutekommen, müssen Führungskräfte, Trainer und Pädagogen geschult und angemessen ausgestattet werden – denn sie sind es, die täglich mit den Kindern arbeiten.“

FIFA Safeguarding Summit 2026

FIFA-Ratsmitglied Johanna Wood, selbst eine ehemalige Absolventin, sicherte den neuen FIFA-Guardians die dauerhafte Unterstützung der Organisation zu, während FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström in einer Videobotschaft hinzufügte: „Die Arbeit, die ihr leistet, trägt dazu bei, dass der Fussball ein sicherer Ort für alle bleibt. Ihr helft dabei, die Werte unseres Sports zu schützen.“