FIFA
Donnerstag 16 Juli 2026, 17:00

Engagement für Kampf gegen Demenz führt Fan an den Spielfeldrand des Halbfinales der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™

  • Jordan Adams aus Redditch (England), ein Aktivist bei der Aufklärung im Kampf gegen Demenz, auf Einladung der FIFA zu Gast beim WM-Halbfinalspiel zwischen England und Argentinien in Atlanta (Georgia)

  • Ohne Spielticket von London Heathrow abgereist, erhält Adams nach der Landung eine Nachricht von Englands Mittelfeldspieler Kobbie Mainoo und der FIFA

  • Jordan und Bruder Cian als Träger der genetischen Mutation, die zum Tod ihrer Mutter an frontotemporaler Demenz führte, mit langjährigem Einsatz für Aufklärung und Forschung

Jordan Adams stand vor dem Halbfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ zwischen England und Argentinien im Spielertunnel des Atlanta-Stadions und konnte es kaum fassen.

Nur einen Tag zuvor war er ohne Spielticket in ein Flugzeug gestiegen, um über den Atlantik in die USA zu fliegen. Kurz vor dem Abflug hatte er in den sozialen Medien ein Video gepostet, in dem er von seinem Vorhaben erzählte.

„Die letzten 24 Stunden waren einfach unglaublich. Gestern bin ich ohne Ticket für das Spiel von Heathrow losgeflogen. Nach dem Viertelfinale sagte ich noch zu meiner Frau: ‚Ich wage es einfach. Ich buche den Flug und poste am Flughafen noch schnell ein Video.‘ Niemals hätte ich gedacht, was in den folgenden 24 Stunden passieren würde“, sagte er kurz vor dem Anpfiff im Spielertunnel.

Jordan Adams attending the FIFA World Cup 2026™ semi-final between England and Argentina

Jordan und sein Bruder Cian, die im Internet als „FTD Brothers“ bekannt sind, setzen sich seit Jahren für mehr Aufmerksamkeit im Kampf gegen frontotemporale Demenz (FTD) ein und unterstützen die Forschung zu dieser Erkrankung – in Gedenken an ihre Mutter.

Neben seinem unermüdlichen Engagement für Aufklärungsarbeit und Spendenaktionen hat Jordan seine Leidenschaft für den Fussball nie verheimlicht – sei es für seinen Heimatverein Birmingham City oder für die englische Nationalmannschaft. Umso grösser war seine Freude, als ihn die FIFA als Gast zum Halbfinalspiel einlud.

„Jetzt stehe ich hier im Spielertunnel, durch den die Akteure gleich zum Halbfinale zwischen England und Argentinien hinauslaufen und das auf der grössten Bühne des Fussballs, einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft“, sagte er. „Das ist ein absoluter Lebenstraum. Nach allem, was meine Familie und ich durchgemacht haben, bedeutet mir das unglaublich viel. Ich weiss das sehr zu schätzen und bin nicht nur der FIFA, sondern auch Kobbie Mainoo unendlich dankbar. Er hat sich als Erster bei mir gemeldet und mir ein Spielticket angeboten. Das alles fühlt sich noch immer völlig surreal an, und ich bin einfach nur glücklich, hier sein zu dürfen.“

Jordan Adams stammt aus Redditch in der englischen Grafschaft Worcestershire. Nachdem bei seiner Mutter Geraldine während seiner Schulzeit eine frontotemporale Demenz diagnostiziert worden war, pflegte die Familie sie gemeinsam zu Hause. 2018 erfuhr Jordan, dass auch er Träger derselben genetischen Mutation ist, die die Krankheit seiner Mutter verursacht hatte.

„Vor acht Jahren erhielt ich die Diagnose, dass ich Träger einer genetischen Mutation bin, die eine seltene Form der frontotemporalen Demenz verursacht – jener Krankheit, an der auch meine Mutter gestorben ist. Bei ihr wurde die Krankheit im Alter von 47 Jahren diagnostiziert, und sie starb schliesslich mit 52“, sagte er. „Mein Bruder, meine Schwester, mein Vater und ich haben uns zu Hause um sie gekümmert. Fussball war für mich immer ein wichtiger Ausgleich, sei es mit meinem Team Birmingham City oder mit England bei grossen Turnieren. Insbesondere eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft war für mich immer etwas ganz Besonderes.“

England v Argentina: Semi Final - FIFA World Cup 2026

Jordan verfolgt die englische Nationalmannschaft bei grossen Turnieren schon seit er denken kann. Eine seiner eindrücklichsten Erinnerungen an die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ kommt jedoch einem der schlimmsten seines Lebens gleich.

„Ich denke oft an die WM 2010 zurück. Am Tag des dritten Gruppenspiels gegen Slowenien erhielt meine Mutter die endgültige Diagnose. James Milner flankte, Jermaine Defoe köpfte zum 1:0 und England zog in die K.-o.-Phase ein. Auf diesen, zunächst wunderbaren Moment folgte eine der schlimmsten Nachrichten meines Lebens. Denn später an diesem Tag wurde bei meiner Mutter offiziell Demenz diagnostiziert. Seit meiner eigenen Diagnose habe ich mir gesagt: ‚Sollte ich jemals die Chance bekommen, ein WM-Halbfinal zu besuchen, werde ich alles daransetzen, dabei zu sein.‘“

Jordan Adams attending the FIFA World Cup 2026™ semi-final between England and Argentina

In dieser Woche erfüllte sich dieser Wunsch. Zu seiner Entscheidung, ohne Spielticket in die USA zu reisen, sagte Adams: „Ich bin jetzt 31 Jahre alt und weiss, dass mir die Demenz in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren alles nehmen wird, auch all die schönen Erinnerungen, die ich noch sammeln werde. Deshalb versuche ich, jeden Moment bewusst zu leben und das Leben in vollen Zügen zu geniessen. Als ich die Flugpreise sah, dachte ich nur: ‚Das Risiko gehe ich ein.‘ Denn ich hätte es mir nie verziehen, wenn mir jemand ein Ticket angeboten hätte und ich in England geblieben wäre. Ich fühle mich unglaublich glücklich, dass ich jetzt hier sein darf.“

Für England und seine Fans endete der Abend mit einer 1:2-Niederlage gegen Argentinien enttäuschend, doch für Jordan war es ein Erlebnis, das ihn noch lange begleiten wird. „Allein sagen zu können, dass ich dabei war – und dann noch gegen Argentinien. Was für ein Spiel! Etwas Grösseres im Fussball gibt es kaum“, sagte er.