Laut technischer Studiengruppe der FIFA (TSG) mehr Teams mit offensiver Einstellung
Qualität der Torhüterinnen besonders beeindruckend
Teilnehmende Spielerinnen profitieren enorm von mittlerweile jährlich ausgetragenem Turnier
Das Niveau war bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2026™ im Vergleich zum letzten Jahr viel besser, wobei die Torhüterleistung nach Ansicht der technischen Studiengruppe der FIFA (TSG) besonders beeindruckend war.
TSG-Spezialisten unter der Leitung des ehemaligen Schweizer Nationaltorwarts und leitenden FIFA-Fussballexperten Pascal Zuberbühler betonten darüber hinaus, dass die teilnehmenden Spielerinnen stark von dem jetzt jährlich ausgetragenen Turnier profitierten, da sie bereits in jungen Jahren mit unterschiedlichen Spielstilen und höherer Intensität konfrontiert würden.
„Bei dieser FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft war es einfach fantastisch, die Fortschritte der Teams zu sehen – sogar gegenüber letztem Jahr“, erklärte Zuberbühler.
Tihana Nemčić Bojić, TSG-Mitglied und ehemalige kroatische Nationalspielerin mit weitreichender Erfahrung als Trainerin, erklärte, die Teams seien vor allem eher bereit, die Initiative zu ergreifen.
„Für mich ist das Besondere an diesem Turnier die offensive Einstellung, die wir bei vielen Teams gesehen haben. Es gab grossen Angriffswillen, viel Kreativität und Risikobereitschaft“, sagte sie. „Viele Spiele verliefen offen, mit wechselnden Kräfteverhältnissen und unerwarteten Ergebnissen. Dadurch wurde das Turnier spannend und unberechenbar. Das ist meiner Meinung nach auch ein Beleg dafür, dass junge Spielerinnen den Mut haben, ihre Identität zum Ausdruck zu bringen, die Initiative zu ergreifen und in unterschiedlichen Spielsituationen Lösungen zu finden.“
Für mich ist das Besondere an diesem Turnier die offensive Einstellung, die wir bei vielen Teams gesehen haben.
Laut TSG-Mitglied Mo Marley, ehemalige Trainerin beim englischen Fussballverband, hat das Turnier bestätigt, dass der Frauenfussball weiterhin qualitativ immer besser wird. „Der Frauenfussball entwickelt sich in vielen Aspekten rasant. Vor allem zwei Bereiche waren wirklich sehenswert. Die Spielerinnen haben sich in Eins-zu-eins-Situationen wirklich eingebracht, und insgesamt ist das Angriffsspiel der Teams aggressiver und intensiver geworden, was beim Zuschauen für Begeisterung sorgt“, erklärte sie.
Da das Turnier zum zweiten Mal in Folge in Marokko stattfand, konnten die Organisatoren auf den Erfahrungen des letzten Jahres aufbauen, wovon wiederum die Spielerinnen profitierten. „Operative Verbesserungen in vielen Detailbereichen – wie bei der Qualität der Spielstätten, der Planung der Anstosszeiten und bei den Unterkünften – haben wahrscheinlich auch zu einem besseren Spielniveau beigetragen“, sagte TSG-Mitglied Asako Takemoto, die bei zwei FIFA Frauen-Weltmeisterschaften™ für Japan auflief und das Nationalteam später trainierte.
Laut Zuberbühler wurde beim Turnier deutlich, dass Klubs und FIFA-Mitgliedsverbände viel Arbeit in die Entwicklung von Torhüterinnen investieren.
„Persönlich war ich vor allem beeindruckt von der unglaublichen Qualität der Torhüterinnen unterschiedlicher Länder. Man sieht ganz deutlich, dass hinter ihrer Entwicklung eine Strategie steckt. Die Torhüterinnen sind viel stärker ins Spiel eingebunden, sowohl bei eigenem als auch bei gegnerischem Ballbesitz. Ihr Stellungsspiel, ihre Entscheidungen und das Gespür dafür, wann sie das Tor und wann den Raum verteidigen müssen, haben sich erheblich verbessert“, erklärte er.
Ein Beispiel dafür war der bessere Einsatz des X-Blocks. „Unsere Analyse zeigt, dass er weniger häufig, dafür aber effektiver und in den richtigen Situationen eingesetzt wird“, so Zuberbühler weiter. „Für mich ist das ein fantastisches Indiz für die Arbeit, die in den Klubs und bei den FIFA-Mitgliedsverbänden geleistet wird. Es wird deutlich, dass besser ausgebildete Torwarttrainer mit diesen jungen Spielerinnen arbeiten, die ihre technischen Fähigkeiten und ihr taktisches Verständnis sowie die Entscheidungsfindung fördern.“
Junge Nationalspielerinnen werden in ihrer Entwicklung optimal gefördert, wenn sie gegen unterschiedliche Verbände mit verschiedenen Spielstilen und Herausforderungen antreten.
Eine jährliche Austragung des Turniers wurde beschlossen, um mehr Spielerinnen aus mehr Ländern die Chance zu geben, sich schon früh auf internationaler Ebene mit anderen zu messen.
„Junge Nationalspielerinnen werden in ihrer Entwicklung optimal gefördert, wenn sie gegen unterschiedliche Verbände mit verschiedenen Spielstilen und Herausforderungen antreten. Die Teilnahme an einer [FIFA]-Weltmeisterschaft hat auf und neben dem Platz enorme Auswirkungen auf die Spielerinnen“, so Marley.
Takemoto fügte hinzu: „Die [FIFA] U-17-Frauen-WM ist die erste globale Bühne für junge Perspektivspielerinnen. Indem sie gegen unterschiedliche Nationen antreten, treffen sie auf Spielstile und eine Intensität, die sie so noch nicht kennen. Dieser Prozess führt im Turnierverlauf oftmals zu einem beträchtlichen Entwicklungsschub, sowohl auf Team- als auch auf individueller Ebene.“
Bojić kann dem nur zustimmen: „Es geht dabei auch um die Stärkung des Selbstbewusstseins, den Umgang mit Druck und den Wettkampf und das Verhalten auf höchstem Niveau. Ich glaube, dass diese Erfahrungen sich beträchtlich auf die spielerische und persönliche Entwicklung auswirken.“
„Wir haben gesehen, wie wichtig es ist, das individuelle technische Können mit Entscheidungsfindung und kollektivem Spielverständnis zu verknüpfen. Wir haben auch erkannt, wie wichtig bestimmte Spielpositionen sind und wie sich ihre Rollen verändert haben“, erklärte sie. „Wenn wir diese Beobachtungen in bessere Trainingsmethoden umsetzen können, kommt dieses Turnier nicht nur den Spielerinnen zugute, die hier dabei sind, sondern auch der nächsten Generation.“