Montag 26 Mai 2008, 12:29

Frankfurt etabliert sich als europäische Hochburg

Für den deutschen Frauen-Fussball scheint derzeit keine Hürde zu hoch zu sein. Seit vergangenen Samstag stellt der amtierende Welt- und Europameister nämlich auch den Rekordsieger des UEFA-Pokals. Mit einem 4:3-Gesamtsieg in zwei ebenso spannenden wie hochklassigen Finalspielen gegen den schwedischen Vertreter Umeå IK sicherte sich Deutschlands Vorzeigeverein 1. FFC Frankfurt zum dritten Mal die begehrteste Trophäe des Frauen-Klubfussballs in Europa.

Es war ein Sieg, der nicht knapper hätte ausfallen können. Nachdem Birgit Prinz und Co. bei dem von der Brasilianerin Marta inspirierten Team aus Umeå ein 1:1-Remis holte, behielt man im Rückspiel vor heimischer Kulisse mit 3:2 die Oberhand. Hätte die amtierende FIFA Weltfussballerin des Jahres 2007 ihren 35-Meter-Freistoß in der Schlussminute jedoch nicht an die Latte, sondern in die gegnerischen Maschen gesetzt, wäre der Pokal an die andere Mannschaft gegangen. Eindrucksvoller kann nicht demonstriert werden, wie eng es mittlerweile an der Spitze des Frauen-Fussballs zugeht.

Rekordkulisse gibt Vorgeschmack auf 2011 Das Duell zwischen den beiden renommiertesten und wohl auch professionellsten Adressen des Kontinents sorgte bei all der spielerischen Klasse auch auf den Rängen für eine echte Superlative: Exakt 27.640 Zuschauer waren in die Frankfurter WM-Arena gekommen, um sich das Rückspiel anzuschauen - ein neuer Rekord im UEFA-Pokal der Frauen. "Ich freue mich schon jetzt auf die Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland. Das wird ein großes Fussballfest in einer freundlichen Atmosphäre", sagte Frankfurts sichtlich bewegter Coach Hans-Jürgen Tritschoks nach dem Triumph bezüglich der Kulisse.

Nicht minder glücklich präsentierte sich Siegfried Dietrich, der als Manager des Frankfurter Star-Ensembles einen maßgeblichen Anteil daran hat, dass sich der Frauen-Fussball in Deutschland mit atemberaubender Geschwindigkeit positiv entwickeln konnte: "Das ist heute sicherlich einer der bedeutendsten Momente meiner Managerkarriere. Es war ein großartiges Spiel, aber noch mehr als das. Vor 15 Jahren haben wir manchmal vor 500 Zuschauern gespielt und man hätte uns wohl ausgelacht, wenn man den Leuten damals von der heutigen Kulisse erzählt hätte."

Die "First Lady" des UEFA-Pokals Zum Erfolgsgaranten avancierte Conny Pohlers. Die 29-jährige Stürmerin, die überraschend nicht im deutschen Kader bei der FIFA Frauen-WM 2007 in der VR China gestanden hatte, traf nicht nur im Rückspiel doppelt, sondern hatte auch schon eine Woche zuvor bei Umeå ins Netz getroffen, um Frankfurt endgültig zur europäischen Hochburg des Frauen-Fussballs avancieren zu lassen. Um nicht weniger als diesen Status ging es nämlich bei diesem reizvollen Finalduell, da die beiden Kontrahenten zuvor jeweils zweimal diese Trophäe hatten gewinnen können.

"Es ist eine Ehre für mich, diesen Titel mit zwei verschiedenen Vereinen geholt zu haben. Ich freue mich über meine Tore, aber es ist einfach mein Job als Stürmerin, Tore zu schießen. Ich konnte schon immer viel laufen. Jede Spielerin ist voller Begeisterung in dieses Spiel gegangen und wir fühlen uns ein wenig wie Vereinsweltmeisterinnen", erklärte Pohlers. Die 63-malige Nationalspielerin konnte den UEFA-Pokal der Frauen bereits 2005 mit Turbine Potsdam gewinnen, ein Jahr später verlor sie das Endspiel mit Potsdam gegen Frankfurt. Unglaublich: Insgesamt schoss die kecke Angreiferin bereits acht Tore in UEFA-Pokal-Endspielen.

Nächstes Kapitel: Marta gegen Prinz Das traurigste Gesicht des Tages hatte unterdessen einmal mehr Marta. Die brasilianische Ballkünstlerin musste sich nach dem verlorenen WM-Finale von Shanghai vor rund acht Monaten abermals einem deutschen Team so knapp vor dem Anfassen eines prestigeträchtigen Siegerpokals geschlagen geben, kann sich aber mehr denn je sicher sein, mit ihrem Charisma und ihrem fussballerischen Können ihrer Sportart in jüngster Vergangenheit viele wertvolle Dienste auf dem Weg zu noch mehr Popularität geleistet zu haben.

Teil drei des Duells zwischen Prinz und Marta kommt ganz sicher, und zwar schon bald: Schließlich treffen die beiden aktuell wohl polarisierensten Akteurinnen der Welt im Kampf um die Goldmedaille beim Olympischen Fussballturnier der Frauen 2008 in Peking früh aufeinander, wenn Deutschland und Brasilien am 6. August in Shenyang im direkten Duell die Gruppe F eröffnen. Für Marta wird diese Partie ohne Zweifel gleich doppelten Revanche-Charakter haben...