FIFA
Montag 01 August 2016, 15:07

Fortune: "Ich wollte Brasilianer sein"

Fast jede Generation von Fussballfans rund um die Welt verehrt eine ganz bestimmte brasilianische Spielergeneration. Pelé höchstselbst nannte Zizinho und die Seleção der 1950er Jahre, während viele Fussballliebhaber das brasilianische Team mit O Rei von 1970 als herausragendes Beispiel einer perfekten Mannschaft sehen. Die Teams mit Socrates und Zico in den 1980er-Jahren konnten zwar nicht die WM-Trophäe gewinnen, doch auch sie haben viele Fussballfans in Begeisterung versetzt. Obgleich er in Kapstadt und damit viele Tausend Kilometer von Brasilien entfernt aufwuchs, hegte auch Quinton Fortune, der später für Südafrika und Manchester United spielte, schon als Kind große Bewunderung für die Seleção.

"Als ich 1991 nach England kam, las ich als allererstes ein Buch über meinen Lieblingsspieler Pelé", erzählt Fortune in einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com. "Das Team von 1970 war für mich das beste aller Zeiten: Pelé, Jairzinho, Rivellino, Carlos Alberto. Und auch in den Folgejahren…Zico, Ronaldo, Ronaldinho… Ich hatte das große Glück, bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ Socrates zu treffen. Das sind wahre Fussballlegenden."

Das Schicksal wollte es, dass er im Rahmen des Olympischen Fussballturniers von Sydney 2000 auf das Land seiner fussballerischen Idole traf, als sich Südafrika erstmals für das Turnier qualifiziert hatte. Fortune erzielte in der Partie sogar einen fantastischen Freistoßtreffer, der jedem Brasilianer zur Ehre gereicht hätte.

"Bei United kam ich bei Freistößen nicht zum Zuge, denn man stand in der Reihe weit hinter Beckham, Giggs, Scholes und dem Rest", erinnert sich Fortune. "Immer wieder hat man über die Jahre fantastische Freistoßtore von Brasilianern gesehen. Dass ich dann selbst gegen Brasilien einen Freistoß verwandelt habe, war fantastisch – besser als alles auf der PlayStation! Von solchen Toren hatte ich als Kind immer wieder geträumt. Eigentlich hatte ich mir nie vorgestellt, einmal gegen Brasilien zu spielen. Ich wollte einfach selbst Brasilianer sein!"

Nicht zuletzt dank des Freistoßtores von Fortune sorgten die Bafana Bafana für eine Riesenüberraschung und feierten einen 3:1-Sieg gegen die Brasilianer, in deren Reihen Spieler wie Lucio und der damals 20-jährige Ronaldinho spielten, die nur zwei Jahre später die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ gewannen.

" konnte einfach alles", so Fortune. "Es war nur eine Frage der Zeit, dass er zu einem absoluten Topstar wurde. Die Brasilianer hatten ein sehr gutes Team. Einige Leute dürften sich ziemlich die Augen gerieben haben, als wir sie besiegt haben. Ehrlich gesagt waren wir selbst überrascht, schließlich war das ja Brasilien! Es war ein tolles Erlebnis, uns mit einigen der besten der Welt zu messen."

Bereit für Rio Jetzt bekommt eine neue Generation südafrikanischer Talente die Gelegenheit, Fortune und seinen Kameraden von damals nachzueifern. Denn erstmals seit den Spielen von Sydney ist Südafrika 2016 wieder beim Olympischen Fussballturnier der Männer dabei. Die Südafrikaner treffen bei den Spielen von Rio gleich im Eröffnungsspiel auf Gastgeber Brasilien. Fortune spielte nicht nur in Brisbane gegen die Seleção, sondern hatte schon zwei Jahre zuvor im WM-Eröffnungsspiel gegen Frankreich auf dem Platz gestanden. Welchen Rat hat er nun angesichts seiner Erfahrungen für die aktuelle Generation?

"Der Druck lastet ganz allein auf Brasilien", meint Fortune. "Bei der letzten Weltmeisterschaft hat man ja gesehen, wie dieser enorme Druck das Team belastet hat. Ich rate den südafrikanischen Spielern einfach, jeden Moment dieses olympischen Abenteuers zu genießen. Natürlich wollen sie auch ein gutes Ergebnis schaffen. Ein Sieg wäre fantastisch, und wenn das nicht geht, wäre auch ein Unentschieden toll. Dafür muss man allerdings gut organisiert spielen.

Der Ex-Spieler von Manchester United hat nach der Teilnahme an der WM 1998, den Olympischen Spielen 2000 und der WM 2002 ein Auge für talentierte Spieler entwickelt. Er freut sich schon darauf, das Abschneiden der Bafana Bafana in Rio 2016 zu verfolgen.

"Rivaldo Coetzee von Ajax Cape Town ist ein grundsolider Verteidiger, Keagan Dolly von den Mamelodi Sundowns ist ein starker Mittelfeldmann und auch Phumlani Ntshangase ist sehr talentiert – solche Spieler können den Ausschlag geben."

Fortune blickte als Kind noch zu den brasilianischen Legenden vergangener Tage auf. Trainer Owen Da Gama und sein Kader für Rio 2016 hoffen nun, in der Heimat von Legenden wie Zico, Socrates und Pelé mit einem starken olympischen Auftritt selbst eine neue Generation südafrikanischer Spieler zu inspirieren.

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