Engagement von Gesetzgebern, Politikern und Strafverfolgungsbehörden gemeinsam mit der FIFA und dem UNODC, um für die Bekämpfung von Rassismus im Fussball bessere rechtliche und politische Rahmenbedingungen zu schaffen
Ansprache von FIFA-Präsident Gianni Infantino zur zentralen Rolle von Gesetzgebung, Aufklärung und dem Einfluss der Spieler bei der Förderung des Wandels
Persönliche Erfahrungen von Mercy Akide und Mikaël Silvestre, die als Mitglieder des FIFA-Spielerausschusses zudem auf die Bedeutung der Opferhilfe und von Solidarität hinwiesen
Gesetzgeber aus aller Welt haben letzte Woche während zwei Tagen am FIFA-Sitz in Zürich (Schweiz) über härtere strafrechtliche Massnahmen gegen Rassismus im Fussball debattiert.
Die Expertentagung, die gemeinsam von der FIFA und dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) für schärfere strafrechtliche Massnahmen gegen Rassismus im Fussball organisiert wurde, ist der neuste Schritt im Rahmen der 2023 in einer Grundsatzvereinbarung besiegelten Partnerschaft. Im Rahmen der Grundsatzvereinbarung fördern die beiden Organisationen die internationale Zusammenarbeit, entwickeln umfassende Leitlinien und statten Regierungen mit Instrumenten für eine wirksame Diskriminierungsbekämpfung aus.
Die Expertentagung ist Teil der globalen FIFA-Motion gegen Rassismus im Fussball und erfolgte im Rahmen des Internationalen Tages für die Beseitigung der Rassendiskriminierung. Das gemeinsame Engagement der globalen Akteure für einen bedeutungsvollen und dauerhaften Wandel im gesamten Fussball-Ökosystem erhielt damit noch mehr Gewicht.
Im Zentrum der Gespräche standen strengere rechtliche und politische Rahmenbedingungen rund um die Welt, insbesondere durch eine Kompetenzförderung in den Strafrechtssystemen und die Verbesserung opferorientierter Massnahmen. Die Teilnehmenden befassten sich ausserdem mit dem anhaltenden Problem der hohen Dunkelziffer, insbesondere im Kinderfussball, wo eine Kultur des Schweigens die Bemühungen zur Bekämpfung von Hassreden weiterhin untergräbt.
Die Teilnehmenden verwiesen auf die bisher erzielten Fortschritte, wie die bei FIFA-Turnieren eingeführten Meldemechanismen sowie den FIFA-Dienst zum Schutz vor Anfeindungen in den sozialen Medien, die von externen Interessengruppen als proaktive Massnahmen anerkannt werden, sowie die Einführung verschärfter Sanktionen unter Art. 15 des FIFA-Disziplinarreglements.
FIFA-Präsident Gianni Infantino bekräftigte bei der Veranstaltung die Rolle des Fussballs als Motor für den sozialen Wandel. „Wir müssen ein Bewusstsein und die nötigen Gesetze in den Ländern schaffen, um Rassismus und Diskriminierung zu bekämpfen. Aufklärung und Zusammenarbeit sind natürlich wichtige Mittel, um gegenseitigen Respekt und Standards zu verinnerlichen. Der Fussball kann in dieser Hinsicht zweifellos als Katalysator wirken“, sagte er.
„Mit dem FIFA-Spielerausschuss, der hervorragende Arbeit leistet, können wir wirklich etwas bewirken, weil die Spieler Vorbilder sind und weltweit gehört werden. Die FIFA-Kampagne gegen Rassismus fördert zudem das Bewusstsein für die verheerenden Auswirkungen von Rassismus. Nachdem wir vor zwei Jahren beim FIFA-Kongress unsere globale Motion gegen Rassismus präsentiert haben, setzen wir unsere Arbeit fort. Ich danke allen heute Anwesenden sowie all unseren Partnern und Interessengruppen für ihre Unterstützung und ihr wertvolles Engagement für diese wichtige Sache.“
Mercy Akide und Mikaël Silvestre berichteten als Mitglieder des FIFA-Spielerausschusses aus erster Hand über Rassendiskriminierung sowohl im Fussball als auch in der breiten Gesellschaft und legten dar, wie aktive Spieler, die Ziel von Beleidigungen sind, unterstützt werden.
Mikaël Silvestre betonte die Bedeutung eines koordinierten, globalen Vorgehens: „Das war ein Aha-Moment, was die Opferhilfe angeht und wie wir das gesamte Fussballsystem gestalten sollten. Es geht nicht nur um die FIFA und die Verbände, sondern auch um die Klubs, die Fans, die Medien und die Sponsoren. Es gibt viele Interessengruppen. Wir können einen Weg finden, um einen Rahmen zu schaffen und so den Ländern zu helfen, die Unterstützung benötigen. Gleichzeitig können wir von jenen lernen, die schon einen Schritt weiter sind. Trotz der unterschiedlichen Gesetze und Kulturen bin ich zuversichtlich, dass wir Fortschritte erzielen können, auch wenn die Gesetzgebung Zeit braucht.“
Mercy Akide sprach von den Auswirkungen von Rassismus auf den Menschen sowie vom Schutz künftiger Generationen: „Für mich und den gesamten Spielerausschuss war es eine ermutigende Zeit. Wir haben Fortschritte erzielt, sind aber noch nicht am Ziel. Wir sind auf Spielerinnen und Spieler zugegangen, damit sie wissen, dass sie nicht allein sind, wir sie sehen und mit ihnen mitfühlen. Der Spitzenfussball steht im Rampenlicht, aber auch der Kinderfussball hat Probleme. Diese Spieler sind die nächste Generation. Wir müssen dafür sorgen, dass sie weiterhin Freude am Fussball haben. Deshalb unterstütze ich die FIFA und das UNODC gerne im Kampf gegen Rassismus.“
Ein grosses Problem ist auch die Kultur des Schweigens, insbesondere im Kinderfussball, wo eine hohe Dunkelziffer die Bemühungen zur Bekämpfung von Hassreden weiterhin unterwandert. Die Teilnehmenden würdigten die Bemühungen der FIFA in diesem Bereich, z. B. die Umsetzung von Meldemechanismen, die allen Beteiligten (Spielern, Offiziellen, Mitarbeitenden und Zuschauern) bei Turnieren und Veranstaltungen zur Verfügung stehen.
Die Gespräche in der Schweiz belegten die schwerwiegenden Auswirkungen von Rassismus auf das Wohlbefinden und die Leistung von Spielern, die verbreitete Angst, Missstände zu melden, sowie die Dringlichkeit, mit der Stimme der Spieler nach sinnvollen Lösungen zu suchen. Im Namen des UNODC erklärte Anna Giudice, Leiterin des Bereichs Justizbeschleunigung: „Auch wenn das Thema mittlerweile viel mehr Beachtung findet und die Menschen sich getrauen, Dinge anzuprangern, gibt es immer noch viel Stigmatisierung und Angst. Dabei sollten sich die Täter schämen.“