Dienstag 26 Juli 2016, 12:29

Die WM-Träume von Natasha Martinez

Wenige südamerikanische Fussballerinnen können im Alter von nur 16 Jahren von sich behaupten, an zwei FIFA WM-Endrunden hintereinander im selben Jahr teilgenommen zu haben. Genau dies hat die Torhüterin Natasha Martinez erlebt. Die Paraguayerin gehörte sowohl bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Costa Rica 2014 als auch bei der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2014 zum Kader ihres Landes.

Zwar reiste sie jeweils als Ersatztorhüterin zu diesen Turnieren und kam nicht zum Einsatz, aber genau aus diesem Grund stellt die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Jordanien 2016 für sie etwas Besonderes dar. Die jugendliche Veteranin wird das weltweite Kräftemessen erstmals als Stammspielerin erleben.

Es verwundert nicht, dass die Beziehung von Natasha Martinez zum runden Leder im frühesten Kindesalter begann. "Ich habe zu Hause schon immer Fussball geschaut und in der Schule hat es mich sofort gepackt, wenn sie zu spielen angefangen haben. Ich habe immer mit den Jungs gekickt", berichtet Martinez lachend im Gespräch mit FIFA.com. Dabei stand sie zu Beginn gar nicht im Tor. "Ich spielte als Innenverteidigerin, aber als ich bei Olimpia anfing, stellte ich mich in einem Training ins Tor und warf mich wie eine Verrückte von einer Seite zur anderen. Ich verließ es nie wieder."

Im Alter von elf Jahren trat sie dem Verein bei und von diesem Moment an kamen bereits die Nominierungen für die Jugendauswahlen. Zwei Jahre später flog sie nach Costa Rica zu ihrer ersten WM. "Es war unvergesslich, denn im Alter von 13 Jahren machte ich die erste Reise meines Lebens. Es war eine Situation, nach der ich mich immer gesehnt hatte. Und auch wenn ich nur Ersatzspielerin war, dienten mir all diese Erlebnisse, um Erfahrung zu sammeln."

Wenige Monate nach diesem bewegenden Ereignis wurde sie in den Kader für die U-20-WM in Kanada berufen. "Das war einmalig. Die Torhüterinnen waren fantastisch, sie flogen von Pfosten von Pfosten. Als ich die verschiedenen Torhüterinnen sah, motivierte mich das, es so weit wie möglich zu bringen. So Gott will, werde ich jetzt bei dieser WM Stammspielerin sein", erzählt Martinez, die bei der Südamerikameisterschaft in Venezuela den Kasten ihres Teams hütete.

Erlebnisse und Kameradschaft Im Kader für Jordanien werden zwei weitere Spielerinnen stehen, die bereits in Costa Rica 2014 dabei waren, Jessica Martinez und Camila Gonzalez. "Wir haben den anderen Mädchen davon erzählt, was es bedeutet, ein solches Turnier zu bestreiten, denn es ist nicht leicht. Es ist ein Wettbewerb, der sich sehr von der Südamerikameisterschaft unterscheidet. Hierher zu kommen, kostete sehr viel Arbeit und Opferbereitschaft. Deshalb muss man sein Bestes geben, denn wir wollen uns nicht damit zufrieden geben, nur dabei zu sein. Es geht um Alles oder Nichts."

Paraguay wird in Gruppe D mit den USA, Japan und Ghana in das Turnier starten. Martinez ist sich darüber im Klaren, dass es "eine schwere, aber nicht unmögliche Gruppe" ist. Und sie erlaubt sich einen ehrgeizigen Blick auf die Gegner. "Wir haben die USA und Japan gesehen, und ich glaube, dass wir mit unserer Mannschaft gegen sie gewinnen können. Wir wissen auch, dass Ghana ein Team hat, das körperlich sehr stark ist. Bei einer WM muss man sich voll ins Zeug legen und nicht halbherzig zur Sache gehen. Wir sind gut eingestellt."

Für Martinez stehen im Vorfeld ihrer dritten WM ihre persönlichen und kollektiven Ziele eindeutig fest. "Wir sind körperlich und taktisch in guter Verfassung. Der Einsatzwille jeder Einzelnen im Training ist beeindruckend. Und wir haben alle das gleiche Ziel und wollen bei der WM in Bestform sein und hoffentlich Weltmeister werden. Mein und der Traum aller meiner Teamkameradinnen ist es, den Pokal in die Höhe zu recken", sagt sie in jugendlicher Frische.

Ziele, Träume und TugendenHierfür hat sich die Torhüterin mit ihren Teamkameradinnen nicht nur in konditioneller, technischer und taktischer Hinsicht vorbereitet, sondern nahm sich außerdem die Zeit, einen Keeper ganz besonders intensiv zu beobachten: ihren "Kollegen" Keylor Navas von Real Madrid. "Er ist mein Idol und Vorbild. Für mich ist er einzigartig. Seine Einstellung und sein Engagement in jeder Partie sind beeindruckend. Ich schaue mir immer Videos von ihm an und versuche, dies in meinen Spielen umzusetzen."

Das Selbstvertrauen, das Martinez im Gespräch an den Tag legt, findet seine Entsprechung auf dem Platz und in ihrer Art und Weise, wie sie den Fussball lebt. "Ich glaube, meine Stärken sind das Abfangen von Bällen und die Eins-gegen-Eins-Situationen: Ich liebe es, den Stürmerinnen allein gegenüberzustehen."

Obgleich sie einräumt, dass sie daran arbeitet, "die Ballbehandlung mit dem Fuß zu verbessern", betont sie, dass insbesondere ihre Persönlichkeit eine weitere Stärke von ihr ist. "Ich habe einen starken Charakter und versuche, mich in jedem Spiel zu 100 Prozent zu konzentrieren, denn es kommt nicht nur auf die Technik an. Auf diesem Niveau ist es die Konzentration, die den Unterschied ausmacht."

Klare und deutliche Worte, auf dem Platz und im wahren Leben. Für Natasha Martinez, die Veteranin in Jordanien 2016, gilt nun: Aller guten Dinge sind drei.