Neukaledonien gibt in Polen sein Debüt bei der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft™
Kapitänin Julia Honakoko hat sich bereits einen Platz in der neukaledonischen Fussballgeschichte gesichert
Die Stürmerin ist ein Produkt der von der FIFA unterstützten FCF-Akademie
Neukaledonien st am 7. September mit einer 0:5-Niederlage gegen die VR China in die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Polen 2026™ gestartet. Am 10. September wartet in Sosnowiec Spanien, drei Tage später folgt Nigeria in Łódź. Es ist ein anspruchsvoller Auftakt gegen drei etablierte Größen des internationalen Frauenfussballs, doch Les Cagous sind an Herausforderungen gewöhnt.
Für Neukaledonien beginnen viele dieser Herausforderungen jedoch schon lange vor dem Anpfiff. Da das Territorium tief im Südpazifik liegt, hatte es bisher kaum Gelegenheit, sich mit Mannschaften aus anderen Konföderationen zu messen oder Erfahrungen auf höchstem internationalem Niveau zu sammeln. Dennoch macht der neukaledonische Fussball deutliche Fortschritte, angetrieben vom Ehrgeiz des neukaledonischen Fussballverbands (FCF) und von Spielerinnen wie Julia Honakoko.
Bei der FIFA Series im vergangenen April unterstrich Honakoko diesen Fortschritt. Gegen Indonesien war die Stürmerin und U-20-Kapitänin die erste Spielerin aus Neukaledonien, die ein Tor gegen einen Gegner außerhalb Ozeaniens erzielte. Dieses historische und symbolträchtige Tor war zugleich ein Meilenstein für den Frauenfussball in dem Inselstaat.
„Dieser Moment hat mich mit Stolz erfüllt, aber auch mit einem Gefühl der Verantwortung“, sagte Honakoko über das Tor. „Die Erste zu sein bedeutet, einen Weg zu ebnen. Das Wichtigste ist, dass andere diesem Weg folgen und noch weiter gehen können. Ich hoffe, dass dieses Tor als mehr als nur eine Statistik in Erinnerung bleibt. Ich möchte, dass es als Zeichen für den Fortschritt im neukaledonischen Frauenfußball gesehen wird und als Beweis dafür, dass unsere Spielerinnen international ihre Spuren hinterlassen können.“
Die FIFA Series hat geholfen, uns ein klareres Bild von der Kluft zwischen unserem Amateurfussball und den internationalen Standards zu machen. Sie hat uns aber auch gezeigt, dass uns diese nicht davon abhalten sollte, ehrgeizig zu sein.
Dieses Tor war ein Meilenstein des Fortschritts. Die Qualifikation für die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 2026™ ist ein weiterer. Beides geschah nicht zufällig. Es spiegelt das Talent der einheimischen Spielerinnen sowie die geleistete Arbeit wider, die ihnen dabei hilft, ihr Potenzial auszuschöpfen. Die mit Unterstützung der FIFA und der Ozeanischen Fussballkonföderation (OFC) gegründete FCF-Akademie spielt dabei eine zentrale Rolle für diese Dynamik. Als wichtigste Instanz auf dem Weg in die Nationalmannschaften bündelt und strukturiert sie die Arbeit im Bereich der Fussballentwicklung in Neukaledonien.
Die 2019 gegründete Frauenabteilung und die 2021 ins Leben gerufene Männerabteilung der FCF-Akademie sind wichtige Bestandteile. Sie vereint die vielversprechendsten Talente des Landes, die bereits ab einem Alter von 13 Jahren gescoutet werden, und gibt ihnen durch Initiativen wie Trainingslager im Ausland die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Ein weiterer Schritt nach vorne wurde 2025 gemacht, als die Akademie dem Talentförderungsprogramm der FIFA beitrat.
FIFA-Talentförderprogramm: Neukaledonien
„Die wichtigste Erkenntnis, die ich daraus gewonnen habe, ist, dass Talent zwar Türen öffnen kann, man sich auf höchstem Niveau aber nur durch harte Arbeit, Disziplin und Beständigkeit halten kann“, sagte Honakoko. „In der Akademie habe ich gelernt, dass eine gute Trainingseinheit oder ein gutes Spiel nicht ausreichen. Man muss kontinuierlich Leistung bringen, sich auch dann an hohe Maßstäbe halten, wenn niemand zusieht, und weiterarbeiten, selbst wenn Fortschritte nur schwer zu erkennen sind.“
„Ich habe auch gelernt, dass sich niemand alleine weiterentwickelt. Eine Spielerin mag über großartige Qualitäten verfügen, aber sie ist auf Teamkolleginnen, Ausbilderinnen, Trainerinnen, Funktionärinnen, ihre Familie und alle, die den Fussball erst möglich machen, angewiesen. Fussball ist ein Mannschaftssport – auf dem Platz und auch abseits davon.“
Diese Einstellung hat Honakoko während ihrer gesamten Karriere begleitet. Von ihrem ersten Verein, dem AS Wetr, wo sie gemeinsam mit Jungen in der U-6-Mannschaft ihre Karriere begann, bis hin zur Nationalmannschaft Neukaledoniens hat sie sich von den Menschen in ihrem Umfeld inspirieren lassen und von ihnen gelernt. Einer von ihnen ist ihr Bruder Macané, ein ehemaliger neukaledonischer Nationalspieler. Da Honakoko selbst von dieser Unterstützung profitiert hat, gibt sie nun ihrerseits etwas zurück – als Trainerin bei dem Verein, bei dem ihre Karriere begann.
„Diese Rolle bedeutet mir sehr viel. Als Kind wurde ich unterstützt, und jetzt bin ich an der Reihe, die nächste Generation zu fördern. Ich möchte die Bedeutung von harter Arbeit, Respekt, Selbstvertrauen und der Freude am Spiel weitergeben“, erklärte sie und fügte hinzu: „Ich widme jungen Mädchen besondere Aufmerksamkeit, weil ich möchte, dass sie wissen, dass sie auf den Fussballplatz gehören. Wenn mein Werdegang ihnen helfen kann, einem Verein beizutreten, an sich selbst zu glauben oder ihren Traum weiterzuverfolgen, wäre das für mich die größte Errungenschaft.“
Ich möchte, dass junge Mädchen wissen, dass sie im Fussball, im Sport und ganz allgemein in jedem Bereich, in den sie einsteigen möchten, ihren Platz haben.
Honakoko steht in Polen für mehr als nur eine Mannschaft. Sie trägt die Hoffnungen in sich, die mit ihrem eigenen Werdegang verbunden sind, sowie die Bedeutung, die dies für junge Mädchen in Neukaledonien haben könnte. Nachdem sie mit ihrem historischen Tor gegen Indonesien eine Tür geöffnet hat, hat sie nun eine weitere Chance, zu zeigen, wie weit eine junge Neukaledonierin mit Überzeugung, Talent und der richtigen Unterstützung kommen kann.
„Wir sind nicht nur hierhergekommen, um drei Spiele zu bestreiten. Wir sind hier, um Neukaledonien zu vertreten – seine Menschen, Vereine, Stadtteile, Gemeinden, Stämme und Inseln sowie all jene, die den Frauenfussball am Leben erhalten, oft mit sehr geringen Mitteln“, sagte sie.
„Ich möchte ein positives Bild der Jugend Neukaledoniens vermitteln: junge Menschen, die hart arbeiten, sich Ziele setzen, ihre Wurzeln respektieren und bereit sind, sich in der Welt zu beweisen. Wir möchten die Vielfalt unseres Territoriums repräsentieren und zeigen, dass wir trotz unserer Abgeschiedenheit und geringen Einwohnerzahl voller Leidenschaft, Talent und Charakter sind.“