Mittwoch 19 Juni 2019, 10:31

Spiel gegen Schweden: Misserfolg bei Olympia befeuert die USA 

  • Die Bedeutung der Niederlage gegen Schweden in Rio für das U.S.Nationalteam

  • Frühere und aktuelle Spielerinnen über die Einstellung, Niederlagen als Motivation zu nutzen

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Einige der wertvollsten Lektionen im Leben lernen wir aus unseren größten Fehlschlägen.

Im U.S.-Frauen-Nationalteam herrscht die Mentalität vor, stets nach vorn zu blicken. Dennoch bewahren die Spielerinnen auch einige Bilder vergangener Niederlagen auf, denn die damit verbundenen Emotionen treiben das Team an.

Das einzige Mal, dass die Titelverteidigerinnen bei einem großen Turnier vor dem Halbfinale ausschieden, ereignete sich bei den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro 2016. Damals verloren die USA das Viertelfinale gegen Schweden im Elfmeterschießen. Die Niederlage war für die gesamte Fussballwelt eine große Überraschung. Schließlich hatten die Amerikanerinnen gerade ein Jahr zuvor zum dritten Mal den Titel bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ geholt.

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"Das Gefühl der Niederlage, das Gefühl in dem Moment, in dem der letzte Pfiff ertönte und klar war, dass es vorbei war, dieses Gefühl ist noch nicht verflogen", sagte Mittelfeldspielerin Allie Long gegenüber FIFA.com. "Natürlich blicken wir nach vorn in die Zukunft, doch man muss sich auch an solche Momente erinnern, denn sie treiben dich an, beim nächsten Mal noch besser sein zu wollen."

Diese Art der Motivation ist für das U.S.-Team nicht neu. Die legendäre Stürmerin Abby Wambach brachte in diesem Jahr ein Buch mit dem Titel "Wolfpack" (Wolfsrudel) heraus. In einem Kapitel mit dem Titel "Make Failure Your Fuel" (Mach Fehlschläge zu deinem Antrieb) beschreibt sie ihre erste Zeit im Nationalteam und wie die älteren Spielerinnen sie 1996 mit diesem Konzept vertraut machen.

"Ich erinnere mich noch besonders lebhaft an ein kleines Foto", schreibt Wambach in "Wolfsrudel". "Jemand hatte dieses Foto am Türrahmen festgeklebt, so dass es das letzte war, was die Spielerinnen sahen, bevor sie auf den Trainingsplatz gingen."

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Das Foto zeigte den Jubel der Norwegerinnen, die die USA ein Jahr zuvor im Halbfinale der WM 1995 besiegt hatten. Es war die letzte Niederlage des Teams gewesen. Im Jahr darauf gewannen die Amerikanerinnen bei den Olympischen Spielen 1996 die Goldmedaille.

Wambach blickte zu den Spielerinnen auf und übernahm bald die Einstellung, Misserfolge zu ihrem Antrieb zu machen. Diese Mentalität treibt das Team bis heute an und wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Nachdem die USA 2011 das WM-Finale gegen Japan verloren hatten, hofften sie auf eine Gelegenheit, diese unerledigte Aufgabe bald nachholen zu können. Verteidigerin Kelley O'Hara sagte gegenüber FIFA.com: "2015 waren wir einfach wild entschlossen, dieses Mal zu beenden, was wir begonnen hatten."

Es überrascht nicht, dass Mittelfeldspielerin Julie Ertz seit der Niederlage des U.S.-Teams gegen Schweden in Rio ein Foto des Spiels als Bildschirmhintergrund auf ihrem Handy hat.

Long hatte damals in der Startaufstellung gestanden. Sie erzählte von den Gedanken der Spielerinnen nach der Partie. "Wir alle fragten uns, warum es so und nicht anders gekommen war. Das war ein sehr erschütterndes Gefühl, doch ich denke, dass Team brauchte das damals", so Long. "Man lernt eben viel mehr aus Fehlschlägen als aus Erfolgen. Ich denke, wir brauchten diese Erfahrung, die aus uns letztlich dieses starke und überaus geeinte Team gemacht hat."