Mina Tanaka überzeugte in den letzten Jahren mit einem fantastischen Torriecher
Das ehemalige Wunderkind wurde in den letzten vier Spielzeiten Torschützenkönigin der Nadeshiko League
Formstarke Stürmerin will im Olympischen Fussballturnier Gold für Japan gewinnen
Mina Tanaka hat bewiesen, dass Erfolgshunger die Entwicklung einer Spielerin ausgesprochen positiv beeinflussen kann. Vor einigen Jahren, als die damalige Nachwuchsspielerin bei NTV Verdy Beleza aktiv war, spielte sie noch eine Nebenrolle, kämpfte um einen Platz in der Stammelf und erzielte vielleicht zwei Tore pro Saison. Das sollte sich 2015 schlagartig ändern, als Tanakas Karriere richtig Fahrt aufnahm. Sie erzielte 14 Tore in 23 Spielen und hatte damit nur ein einziges Tor Rückstand auf die beste Torschützin Yuika Sugasawa. Von da an ging es stetig bergauf. In den nächsten vier Spielzeiten wurde sie jeweils Torschützenkönigin der Liga, und ihr Team beherrschte die lokale Fussballszene. Darüber hinaus wurde Tanaka fünfmal in die Idealelf der Liga gewählt und zweimal als Spielerin des Jahres ausgezeichnet. Angesichts dieser Leistungen versteht es sich von selbst, dass die formstarke Stürmerin in den letzten Jahren auch regelmäßig zum Aufgebot des japanischen Nationalteams gehörte. Doch wie kam es vor sechs Jahren zu diesem kometenhaften Aufstieg? "Ich erinnere mich noch gut an diese Saison [2015]", so die 27-Jährige im Gespräch mit FIFA.com. "Um ehrlich zu sein, war ich damals nicht begierig genug darauf, Tore zu schießen. Ich dachte irgendwie, die Torschützenkönigin sollte aus einem Meisterteam kommen, daher würde man mir verzeihen, wenn ich es nicht so weit brächte. Jetzt schäme ich mich dafür. Und eines Tages habe ich mir dann ernsthaft in den Kopf gesetzt, Top-Torschützin zu werden."
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. In der folgenden Saison erzielte die Angreiferin mit der zierlichen Statur vier Tore mehr und wurde beste Torschützin der Liga. Diesen Titel sollte sie 2017 und 2018 mit jeweils 15 Treffern verteidigen. 2019 erreichte sie mit einer Bilanz von 20 Treffern dann eine neue Bestmarke.
In der letzten Saison wechselte Tanaka zu INAC Kobe Leonessa, und obwohl sie aufgrund der COVID-19-Pandemie nur zu acht Einsätzen kam, erzielte sie 13 Treffer. Obwohl ihre Topform in aller Munde ist, zieht sie es jedoch vor, ihre Leistung und den Rummel um ihre Person herunterzuspielen. Auf die Bitte, ihre Leistungssteigerung in den letzten Jahren zu bewerten, erklärt sie: "Das würde ich lieber anderen überlassen. Allerdings sind meine Erfolge, wie die Auszeichnungen als beste Torschützin und Spielerin des Jahres, ein Beweis für die Fortschritte, die ich gemacht habe. Ich bin stolz auf das, was die Fans von mir denken, und ich habe hart gearbeitet, um ihnen zu beweisen, dass sie Recht haben." "Ich glaube, meine Stärke ist mein Zug zum Tor", so Tanaka weiter. "Es gibt unterschiedliche Typen von Stürmerinnen, aber ich möchte mich zu einer torgefährlichen Allround-Angreiferin entwickeln, die gegen jeden Gegner ins Schwarze treffen kann." Nachdem Tanaka in ihrer Heimat fast alles gewonnen hatte, machte sie Anfang des Jahres mit einem Wechsel zu Bayer Leverkusen Schlagzeilen und reihte sich damit in die Riege der im Ausland aktiven japanischen Nationalspielerinnen ein. Außer ihr sind dies unter anderem Mana Iwabuchi, Yuka Momiki und Yui Hasegawa. "Ein Wechsel ins Ausland war eine ganz neue Herausforderung in meiner Karriere", so Tanaka, die in der Frauen-Bundesliga mit vier Toren in acht Spielen sofort einschlug. "Das ist ein ganz anderes Umfeld, und ich spüre die große Fussball-Leidenschaft hier. Alle Spielerinnen hassen es, zu verlieren, und die Emotionen stehen an erster Stelle – noch vor Taktik und Technik. Sie wollen unbedingt gewinnen. Ich bin jetzt anpassungsfähiger geworden." Eckdaten Name: Mina Tanaka Geburtsdatum: 28. April 1994 Erfolge: Nadeshiko League: 2015, 2016, 2017, 2018, 2019 Empress's Cup: 2014, 2017, 2018 Idealelf der Nadeshiko League: 2015, 2016, 2017, 2018, 2019 Spielerin des Jahres der Nadeshiko League: 2018, 2019 Olympisches Gold im Visier Tanaka, die bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2010 und der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 2012 ein aufgehender Stern am Fussballhimmel war, kann mittlerweile 17 Tore in 41 Länderspielen für sich verbuchen. Auch beim 5:1-Sieg in einem Freundschaftsspiel gegen Mexiko traf sie kürzlich in die Maschen. Ein Tor in einem großen internationalen Wettbewerb fehlt allerdings noch in ihrem Lebenslauf, und bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2019™ stand sie überraschenderweise nicht im Kader. "Das war einer der Wendepunkte in meiner Karriere", meint sie. Die Enttäuschung darüber hat ihren Erfolgshunger noch weiter angestachelt. Nun steht das Olympische Fussballturnier der Frauen Tokio 2020 auf heimischem Boden vor der Tür, und sie möchte sich endlich auf der Weltbühne beweisen. "Wir wollen die Goldmedaille gewinnen. Das hat oberste Priorität", erklärt sie. "Ich muss hart arbeiten und mich in Bestform präsentieren. Als Stürmerin muss ich meinen Zug zum Tor erhalten und versuchen, mich gegen die Gegnerinnen durchzusetzen. Ich hoffe, dass ich nach dem Turnier sagen kann: 'Ja, du hast dein Bestes gegeben'. Ich möchte in Tokio sowohl mit dem Team als auch als Stürmerin die besten Ergebnisse erreichen."