Samstag 16 Juni 2012, 06:45

Nagasato: "Die Erwartungen steigen"

Als Yuki Nagasato am 29. Mai die Meisterschale in die Höhe strecken durfte, ging für die japanische Nationalspielerin eine weitere erfolgreiche Saison mit Turbine Potsdam in der Frauen-Bundesliga zu Ende. Zum vierten Mal in Folge krönten sich die Torbienen zum deutschen Meister und haben diesen Erfolg auch der Weltklassestürmerin zu verdanken. Mit 13 erzielten Treffern war sie hinter Genoveva Anonman zweitbeste Torschützin des Bundesligisten.

"Ich habe einige Tore erzielt und bin sehr zufrieden mit mir. Im Laufe der Spielzeit hat sich das Team verändert und dadurch auch meine Rolle. So konnte ich die Breite meines Spiels verbessern. Auch in diesem Sinne bin ich zufrieden. Leider konnten wir die Champions League nicht gewinnen", fasst Nagasato die abgelaufene Saison im exklusiven Interview mit FIFA.com zusammen.

Bevor die Japanerin Anfang 2010 zu Turbine Potsdam wechselte, stand sie in ihrem Heimatland für den NTV Beleza auf dem Platz und konnte dort ebenfalls große Erfolge feiern. Den Weg in die Bundesliga zu wagen, war für sie der logische nächste Schritt. "Die deutsche Liga ist eine der stärksten Ligen der Welt, wenn nicht gar die stärkste Liga der Welt. Aus diesem Grund wollte ich in Deutschland spielen, um dort gegen die besten Spielerinnen weltweit anzutreten",  begründet Nagasato ihren Entschluss, in das Land der Dichter und Denker zu gehen.

Frauenfussballkultur muss wachsen

Doch nicht nur im Vereinsfussball weiß die 24-Jährige zu überzeugen, sondern auch im Dress der japanischen Nationalmannschaft. Den bisher größten Erfolg ihrer Karriere feierte Nagasato im Sommer 2011, als sich Japan im Finale FIFA Frauen-WM in Deutschland gegen die USA durchsetzte und zum Weltmeister krönte.

"Der Frauenfussball ist immer noch eine große Sportart, die nicht als selbstverständlich empfunden wird", fasst sie den Stellenwert des Frauenfussballs in ihrer Heimat zusammen. "Bis jetzt ist der Fussball allerdings noch nicht mit unserer Kultur verwurzelt. Natürlich ist nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft die Aufmerksamkeit gestiegen, aber in verschiedenen Bereichen sind noch Verbesserungen erforderlich. Ich denke, dass die Frauenfussballkultur in Japan in Zukunft noch wachsen muss", zeigt sich Nagasato jedoch auch kritisch.

Mit dem Triumph bei der Frauenweltmeisterschaft im vergangenen Jahr wächst auch die Erwartungshaltung an das Team, und das Olympische Fussballturnier für Frauen in London bietet den Nadeshiko nun die beste Möglichkeit, diese zu erfüllen. Dass den Asiatinnen dies gelingen wird, dessen ist sich Nagasato sicher. "Die Erwartungen an die Olympischen Spiele wachsen stetig. Ich glaube, dass wir bei Olympia gute Resultate erzielen können und diese auch in Zukunft Bestand haben werden", bringt sie es kurz und knapp auf den Punkt.

Mit Selbstbewusstsein Richtung London

In der Gruppenphase des Turniers warten mit Kanada, Schweden und Südafrika nicht gerade leichte Gegner auf die japanischen Ballzauberinnen. Die Schwedinnen, die sich im Halbfinale der WM Japan geschlagen geben mussten, haben noch eine Rechnung offen und auch Kanada will sich in einem anderen Licht präsentieren, als bei der WM.

"Für mich ist es nicht wichtig, wer unsere Gegner sind. Bei den Olympischen Spielen muss mit jedem Team zu rechnen sein. Die Mannschaft aus Südafrika freut sich zum Beispiel bereits darauf, gegen uns zu spielen. Sie konnten sich zuvor noch nie für Olympia qualifizieren. Das kann sehr lustig werden", gibt sich Nagasato selbstbewusst. "Wenn ich die jetzige Zeit mit der Zeit während der Olympischen Spiele in Peking 2008 vergleiche, dann hat sich der japanische Fussball seitdem sehr stark weiterentwickelt. So stehen zum Beispiel immer mehr Spielerinnen bei ausländischen Vereinen unter Vertrag", umschreibt sie die Stärke ihres Teams.

Wie stark die Japanerinnen wirklich sind, können sie in den nächsten Tagen beim "Volvo Winners Cup" (16.-20. Juni) im schwedischen Halmstad und Göteborg unter Beweis stellen. In Vorbereitung auf Olympia treffen mit Japan, den USA und Schweden die drei Erstplatzierten der Frauen-WM aufeinander, um sich ein erstes Kräftemessen zu liefern.

Dabei sollten die Gegner ein besonderes Augenmerk auf Nagasato werfen, die alles daran setzen wird, ihre Mannschaft erneut zum Sieg zu führen – denn für sie ist jedes Turnier gleich wichtig.