Dienstag 10 August 2021, 20:00

Méndez: "Sie müssen uns als Macht wahrnehmen"

Die Spanier haben zwei Auflagen der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft verpasst - und gefühlt war das für die Beteiligten eine Ewigkeit. Schließlich ist man es in Spanien gewohnt, immer ganz oben mitzuspielen. Daher tut es noch mehr weh, wenn man plötzlich nicht mehr dabei ist. 

Nun kehrt das Team mit Pauken und Trompeten auf die Weltbühne zurück, nämlich als Gewinner eines europäischen Qualifikationsturniers, bei dem die Funken sprühten. Christian Méndez führte La Roja bei seinem Debüt auf der Trainerbank zum Erfolg, nachdem er sich als Spieler 2018 von der Beach-Soccer-Bühne verabschiedet hatte. 

FIFA.com spricht in einem Exklusiv-Interview mit ihm über die Qualifikation für Russland 2021. 

Was bedeutet es für die spanische Auswahl, nach zwei verpassten Auflagen wieder bei der Beach-Soccer-WM dabei zu sein? 

Die ganze Mannschaft und alle Leute, die für dieses Team gearbeitet haben, sind sehr zufrieden. Das waren wirklich schwierige Jahre, und zwar sowohl in sportlicher Hinsicht für die Spieler als auch für den Trainerstab. Letztendlich ist es ein weiterer Schritt nach vorn und eine Anerkennung der Arbeit, die bis jetzt geleistet wurde.

Wenn wir auf die Qualifikation zurückblicken, welche Eigenschaften zeichnen Spanien dann aus? 

Opferbereitschaft, Bescheidenheit und bedingungsloser Einsatz für die Mitspieler. Wir haben eine sehr kampfstarke Mannschaft, die nie die Hände in den Schoß legt. Zusammenhalt, Stärke und diese Kameradschaft eines Teams, das taktisch sehr aggressiv und sehr diszipliniert, sehr intensiv ist. Und dann haben wir natürlich das Glück, technisch sehr versiert zu sein. Außerdem sind wir nicht von einem einzelnen Spieler abhängig. In jedem Spiel hat ein anderer Spieler geglänzt.

Bei Fussballturnieren gibt es häufig Spiele, die bei einem Team einen Wandel herbeiführen. Welche Partie war der Wendepunkt für Spanien im Qualifikationswettbewerb? War es das Spiel gegen Italien?

Für uns war es die Partie gegen Belarus in der Gruppenphase, die wir mit 3:4 verloren haben. In diesem Spiel ging es um die Tabellenführung und im Grunde bekam der Gewinner den leichteren Gegner. Natürlich gibt es nie leichte Gegner, aber es ging darum, ob wir auf Deutschland oder Italien treffen würden, den Vizeweltmeister und WM-Dritten des Jahres 2017. Da möchtest du natürlich lieber gegen die Nummer 38 der Rangliste antreten als gegen die Nummer vier.

In diesem Spiel hat sich alles geändert, denn 15 Sekunden vor Schluss hatten wir einen Strafstoß, den wir nicht verwandeln konnten, und mit dem Konter hat der Gegner das vierte Tor erzielt. Damit sind wir auf dem zweiten Platz gelandet. 

Dadurch hat sich in unseren Köpfen etwas bewegt und wir haben uns mental auf Italien als nächsten Gegner eingestellt. Gegen die Italiener hatten wir eine sehr schwere Phase. Vier Minuten vor Schluss lagen wir 1:3 zurück, dann haben wir das 2:3 erzielt und schließlich ausgeglichen. Wir mussten zwei Minuten lang mit einem Spieler weniger auskommen ... Am Ende war es dann irgendwie episch, denn 18 Sekunden vor Schluss bekam Italien einen Freistoß kurz vor dem Strafraum, konnte ihn nicht verwandeln, und wir haben im Gegenzug das Siegtor erzielt. 

Damit hatten wir das wichtigste Ziel, nämlich die WM-Qualifikation, erreicht. Gegen Belarus lief es dann wirklich rund, das Team trat sehr sicher auf und wir zogen ins Finale ein. Dann haben wir gegen die Ukraine, die zuvor Portugal aus dem Rennen geworfen hatte, den Turniersieg geholt. 

Auch der Trainerstab hat einen großen Beitrag zu diesem Erfolg geleistet, denn er sorgt dafür, dass die Spieler wissen, was sie tun sollen ... 

In den Trainingslagern erkläre ich jedem Spieler einzeln, was ich in der offensiven und defensiven Phase von ihm erwarte, wenn wir führen oder zurückliegen, wenn nur noch drei oder vier Minuten auf der Uhr sind. Mein Ansatz ist, dass wir drei Spiele à zwölf Minuten bestreiten, nicht ein Spiel mit drei Dritteln, und wir dürfen keines dieser Spiele verlieren. Wir denken kurzfristig und rotieren regelmäßig. 

Cristian Mendez, Head Coach of Spain during the FIFA Beach Soccer World Cup Europe Qualifier Nazare 2021

Kommen wir auf die WM zu sprechen. Welches sind die Gegner, die es zu schlagen gilt? 

Der härteste Gegner, den wir zugelost bekommen haben, ist Mosambik. Das ist eine sehr starke Auswahl, die schon gegen Ägypten und Marokko gewonnen hat. Sie haben sehr schnelle, sehr dynamische Spieler und keine klare taktische Ordnung. Das ist nicht wie bei Russland oder Belarus, bei denen du weißt, wie du sie neutralisieren kannst. Sie haben physisch sehr starke Spieler. 

Und dann müssen wir uns Gedanken über Tahiti machen, eine völlig andere Mannschaft. Sie haben eine gute Ballbehandlung, sind zweimal Vizeweltmeister geworden, haben eine super Technik und Spieler in den besten Ligen Europas. 

Und dann kommen schließlich noch die Vereinigten Arabischen Emirate. Bei dieser Auswahl stimmt die Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Sie leisten technisch gute Arbeit und spielen taktisch sehr körperbetont. Außerdem haben sie viel Erfahrung gegen europäische Teams und auch auf der Weltbühne. 

Aber natürlich müssen die Gegner sich auch über uns Gedanken machen und sollten uns als Macht ansehen. 

 

Was ist nötig, um wirklich weit zu kommen?

Wir ziehen alle Register und bekommen viel Unterstützung vom Verband. Wir nutzen GPS-Geräte mit einer Plattform zur individuellen Analyse der Spieler und dann wäre da noch das Wort Glück. Glück ist, wenn ich die mir zur Verfügung stehenden Ressourcen effektiv einsetzen und damit erfolgreich sein kann. 

Außerdem spielt unser guter und sehr professioneller Trainerstab in Kombination mit super überzeugten Spielern eine wichtige Rolle. Dieses Team kann sehr weit kommen, das hat es ja schon mit dem Erringen des Europameistertitels bewiesen. 

Cristian Mendez, Head Coach of Spain during the FIFA Beach Soccer World Cup Europe Qualifier Nazare 2021

Letzte Frage: Wie gehen Sie diese erste WM als Trainer an? 

Ich bin sehr sentimental. Ich bin jetzt schon nervös. Das ist eine große Verantwortung, und wir arbeiten schon lange darauf hin. Aber diese Nervosität werde ich in Ehrgeiz umwandeln, in Vorfreude, um den Spielern so viel wie möglich mitzugeben und ihnen mein größtes Vertrauen zu geben. Ich bin sehr glücklich und zufrieden. Diesen Erfolge habe nicht ich allein erreicht, ich bin nur ein Glied in einer Kette aus Spielern, technischen Mitarbeitern und Verband. 

Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen der Spieler- und Trainerrolle. Als Spieler trainierst du zwei Stunden und lässt dann alles hinter dir. Als Trainer musst du dich um die Spieler, den Trainerstab, die Spiele und die Gegner kümmern und dich darüber informieren, was mit einem Spieler außerhalb des Trainingslagers passiert.