Jill Ellis, FIFA-Fussballdirektorin: „Der Frauenfussball hat sich etabliert“
Laut Ellis solle der Frauensport als Chance und nicht als Verpflichtung betrachtet werden
Arsène Wenger, FIFA-Direktor für globale Fussballentwicklung, setzt sich für eine bessere Nachwuchsförderung ein
Jill Ellis, FIFA-Fussballdirektorin, und Arsène Wenger, FIFA-Direktor für globale Fussballentwicklung, forderten bei ihren Reden vor dem 76. FIFA-Kongress im kanadischen Vancouver mehr Investitionen in den Jugend- und Frauenfussball.
Beide trainierten einst erfolgreich Spitzenteams und betonten, dass die Zukunft des Sports von einer mutigen Führung und dem Streben nach strukturierten Fördermöglichkeiten für die nächste Spielergeneration abhänge.
Ellis, die ehemalige Trainerin des US-Nationalteams der Frauen, warb eindringlich für die Weiterentwicklung des Frauenfussballs und machte deutlich, dass dies eine strategische Notwendigkeit und nicht nur eine bloße Verpflichtung sei.
„Die erfolgreichsten Führungskräfte warten nicht auf perfekte Bedingungen. Sie erkennen Chancen und handeln entschlossen“, so Ellis. „Der Frauenfussball bietet genau diese Chance. Die Zahlen bestätigen, was schon lange kein Geheimnis mehr ist. Zwei Milliarden Menschen verfolgten die letzte FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™. Über eine Million Brasilianer sahen das Finale des FIFA-Meisterpokals der Frauen zwischen Corinthians und Arsenal. Insgesamt 75.000 Zuschauer füllten letzten Monat das Stadion beim Finale der AFC-Asienmeisterschaft der Frauen. Das sind nicht nur Zahlen, sondern wichtige Signale. Das Publikum ist begeistert und sorgt für eine hohe Nachfrage.
Für Ellis, die als Cheftrainerin der US-Damen zwei Titel bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ gewinnen konnte, sei es an der Zeit, sich von der alten Denkweise zu lösen, wonach Frauenfussball nur eine Nebensache sei.
„Der Frauenfussball hat sich etabliert und steht im Mittelpunkt des Bestrebens, den Sport wirklich global zu machen“, erklärte sie.
„Manche betrachten den Frauenfussball immer noch als eine Verpflichtung. Doch diese Haltung bremst nicht nur den Fortschritt, sondern geht auch am Kern der Sache vorbei. In den Frauensport zu investieren sei keine Pflicht, sondern eine äusserst kluge Entscheidung – sowohl in wirtschaftlicher und wettbewerblicher Hinsicht als auch in Bezug auf die nationale Identität.
„Fussballfans feiern weder Männer noch Frauen, sondern die aussergewöhnlichen Leistungen ihrer Helden, und genau dies bringt die Menschen zusammen.“
Während die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2027™ zum ersten Mal in Südamerika stattfindet und Brasilien als Gastgeber fungiert, appellierte Ellis an die Führungskräfte des Weltfussballs, diese Gelegenheit zu nutzen.
„Wer heute diese Chance erkennt, wird morgen zu den Champions gehören. Diejenigen, die investieren, die aufbauen, die daran glauben, werden am Ende die Trophäen in die Höhe stemmen und Geschichte schreiben“, sagte sie. „Seien Sie also mutig und setzen Sie auf die Zukunft des Frauenfussballs.“
Wenger wiederum gab einen aktuellen Überblick über das FIFA-Talentförderprogramm und verriet, dass sich 193 Mitgliedsverbände der FIFA für diese Initiative angemeldet haben, in deren Rahmen derzeit weltweit 600 Nachwuchsförderprojekte und 55 FIFA-Talentakademien unterstützt werden.
Der frühere langjährige Trainer des FC Arsenal betonte, dass Erfolg auf internationaler Ebene ohne eine umfassende Jugendstruktur unmöglich sei.
„Wir wissen heute mehr über den Weltfussball und sind uns bewusst, dass alle erfolgreichen Länder über eine umfassende Nachwuchsförderung verfügen, die von der Jugend bis zur A-Nationalmannschaft reicht – dies ist für einen Triumph einfach unerlässlich“, sagte er.
Ein Schwerpunkt von Wengers Rede war die Notwendigkeit, Spieler bereits in jungen Jahren auszubilden, um sicherzustellen, dass sie mental und körperlich für die moderne Spielweise gerüstet seien. Er wies auf eine erhebliche Lücke in den derzeitigen Strukturen hin und stellte fest, dass nur 14 % aller Länder regelmässige Wettbewerbe für Spieler unter zwölf Jahren veranstalten.
„Wir wollen diese Gruppe vergrössern und überall auf der Welt regelmässige Turniere für Spieler dieser Altersklasse durchführen“, erklärte er.
Zu den Zukunftsplänen gehört die Einführung von FIFA-U-15-Turnieren im Festivalformat, an denen sowohl Mädchen als auch Jungen teilnehmen können. Laut Wenger werde dies eine „enorm positive Erfahrung für Jugendliche aus aller Welt sein, um gemeinsam mit dem Fussballspielen zu beginnen“.
Darüber hinaus hofft Wenger, dass durch die Einführung von sechs bis sieben Trainingseinheiten pro Woche für talentierte Spieler ab zwölf Jahren in allen Ländern dazu beigetragen werde, dass mehr Nationen neue Talente hervorbringen können.