Die Legende der Weltmeisterschaft aus der Sicht ihrer größten Erzähler
Fast 80 Journalisten wurden in Doha geehrt
Wir sprachen mit drei Preisträgern
Youssef Berjaoui (75): "Lerne jeden Tag dazu"
In Anerkennung der Rolle, die die Medien dabei spielen, den Fussball zur beliebtesten Sportart der Welt zu machen, würdigte die FIFA die Unverwüstlichkeit und das Engagement derjenigen Journalisten, die bereits von acht oder mehr FIFA WM-Endrunden berichtet haben. Zusammen mit dem Sportjournalistenverband AIPS (Association Internationale de la Presse Sportive) wurde eine besondere Zeremonie für die fast 80 Journalisten und Fotografen abgehalten, die diesen besonderen Meilenstein erreicht haben und die mit ihrem Engagement, ihrem Wissen und ihren Erkenntnissen sowohl ihren Beruf als auch den Fussball bereichern und den Fans rund um die Welt die Emotionen des wichtigsten Turniers vermitteln. Da die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022™ vollständig in Doha und der näheren Umgebung ausgetragen wird, ergab sich eine einmalige Gelegenheit, die Medienvertreter zusammenzubringen. Somit konnten alle Journalisten an der Feier teilnehmen und ihren Preis entgegennehmen, eine kleine Replik des FIFA WM-Pokals. Die Trophäen wurden vom zweimaligen brasilianischen Weltmeister Ronaldo überreicht.
"Nachdem ich bereits von über zehn Weltmeisterschaften in allen Teilen der Welt berichten durfte, freue ich mich nun besonders, dass das wichtigste Turnier des Weltfussballs in der arabischen Welt stattfindet", sagt Youssef Berjaoui. Der ihm verliehene Preis ist für den Journalisten aus dem Libanon ein weiterer Grund zur Freude: "Diese Auszeichnung erfüllt mich mit Stolz." Mit Ausnahme der WM-Endrunde 1986 in Mexiko, die er aus gesundheitlichen Gründen verpasste, ist Youssef Berjaoui seit dem Turnier 1982 in Spanien live dabei. Damit feiert der erfahrene Journalist in diesem Jahr in Katar sein 30-jähriges Jubiläum voller einzigartiger Erinnerungen. "Ich lerne immer noch jeden Tag dazu. Vor meiner Ankunft in Katar hatte ich eine WM ähnlich den früheren Auflagen erwartet. Doch ich bin überrascht: Diese Weltmeisterschaft ist einfach großartig, für mich ist sie die Beste aller Zeiten."
Ehrung von 80 Reportern und Fotografen
Neben Youssef Berjaoui war auch die Italienerin Emanuela Audisio bei zehn Weltmeisterschaften dabei. Interessanterweise ist ihr nicht etwa die WM 2006 in Deutschland am meisten im Gedächtnis haften geblieben, bei der ihre Italiener den Titel holten, sondern vielmehr das Turnier 1994 in den Vereinigten Staaten. Damals musste sich die Squadra Azzurra den Brasilianern im Finale geschlagen geben. "Das ist die mit Abstand eigenartigste Erinnerung", so die Journalistin. "Nach dem verlorenen Endspiel sollte ich Roberto Baggio interviewen, der im Elfmeterschießen den entscheidenden Schuss übers Tor gesetzt hatte. Der Weg zur Mixed Zone war sehr weit und es herrschte eine große Anspannung. Es standen jede Menge Leute im Weg und in der ganzen Hektik habe ich jemanden umgerempelt. Peinlich berührt hielt ich an und vergewisserte mich, dass der Mann unverletzt geblieben war. Dabei stellte sich heraus, dass ich den amerikanischen Schauspieler Dustin Hoffman über den Weg gerannt hatte. Zum Glück war ihm nichts weiter passiert, aber das war schon eine komische Situation." Die italienische Journalistin erinnert sich aber nicht nur an Niederlagen. Der schönste Sieg, der ihr im Gedächtnis geblieben ist, war anlässlich der WM 1986 bei einer Partie gegen Bora Milutinović im Tischtennis. "Ich war im Trainingslager der Mexikaner, um Interviews zu führen. Dort stand eine Tischtennisplatte und ich forderte Mexikos Auswahltrainer Bora Milutinović zu einem Match heraus. Ich war nicht die Schlechteste an der Platte und habe das Spiel gewonnen. Milutinović zeigte sich als fairer Verlierer und sagte: 'Bravo, Sie haben sich ein Mittagessen bei mir erspielt.' So war das damals mit der Journaille."
Für den Nigerianer Ibikunle Solaja stehen die Erinnerungen an die Weltmeisterschaft 1990 in Italien ganz oben in der Gunst. "Das war meine erste WM. Und es war die Endrunde, bei der ich am herzlichsten empfangen wurde. Das werde ich niemals vergessen", so der afrikanische Journalist, der seitdem über sieben Weltmeisterschaften berichtet hat. "Als ich Diego Maradona vor dem Gruppenspiel zwischen Kamerun und Argentinien im San Siro trainieren sah, war das ein ganz besonderer Moment, der sich kaum in Worte fassen lässt. Wie er den Ball jongliert hat – vor und zurück, mit dem Bein, mit der Schulter und mit dem Kopf … Das war einfach unglaublich. Jener 8. Juni 1990 war umso denkwürdiger, da Kamerun die Partie gewann und in die nächste Runde einzog. Als Afrikaner hatten sie all meine Unterstützung." "Nach der Niederlage der unzähmbaren Löwen im Viertelfinale gegen England war ich sehr traurig. Dieses Spiel hätten sie gewinnen können. Sie lagen mit 2:1 in Führung, konnten diese aber nicht über die Zeit bringen. Am Ende gaben zwei Elfmeter den Ausschlag zugunsten der Engländer. Trotz allem wird mir dieser italienische Sommer für immer im Gedächtnis bleiben", sagt Solaja, der darauf hofft, dass ein afrikanisches Team zum ersten Mal ins Halbfinale vordringen wird.