Änderungen am FIFA-Governance-Reglement, damit der FIFA-Rat in Ausnahmefällen die Anmeldung eines National- oder Auswahlteams vornehmen und/oder bewilligen kann
Beschluss als Grundlage für afghanische Spielerinnen, ihr Land in Absprache mit der AFC in FIFA-Wettbewerben zu vertreten
Umsetzung unter der Leitung der FIFA, die in einem beispiellosen Schritt zudem umfassende operative, personelle und finanzielle Unterstützung leistet und so den Zugang zum Fussball wahrt
Der FIFA-Rat hat heute eine wegweisende Änderung am FIFA-Governance-Reglement verabschiedet, damit afghanische Spielerinnen, einschliesslich der Mitglieder des von der FIFA finanzierten und unterstützten afghanischen Frauenflüchtlingsteams, ihr Land bei offiziellen Länderspielen von FIFA-Wettbewerben vertreten können.
Dank dem historischen Beschluss kann der FIFA-Rat in Rücksprache mit der zuständigen Konföderation in Ausnahmefällen die Anmeldung eines National- oder Auswahlteams vornehmen und/oder bewilligen, wenn ein FIFA-Mitgliedsverband dazu nicht in der Lage ist. So soll verhindert werden, dass Spielerinnen aus Gründen, die ausserhalb ihrer Kontrolle liegen, vom internationalen Fussball ausgeschlossen werden, was gegen die in den FIFA-Statuten verankerten Grundsätze von Universalität, Inklusion und Nichtdiskriminierung verstossen würde.
„Dies ist ein bedeutender und beispielloser Schritt im internationalen Sport. Die FIFA hat diesen Spielerinnen zugehört, weil sie die Verantwortung dafür trägt, dass alle Frauen und Mädchen Fussball spielen können und sie selbst sein dürfen. Indem wir afghanischen Frauen die Möglichkeit bieten, für ihr Land offizielle Spiele zu bestreiten, setzen wir unsere Grundsätze in die Tat um. Die FIFA steht mit Stolz an der Spitze dieser historischen Initiative, um diese mutigen Spielerinnen auf und neben dem Platz zu unterstützen.", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino.
Grundlage für diese Reform ist die FIFA-Aktionsstrategie für den afghanischen Frauenfussball sowie die anschliessende Gründung des afghanischen Frauenflüchtlingsteams, mit dem die FIFA afghanischen Spielerinnen, die im Ausland leben, Spielmöglichkeiten bietet. Nun können diese afghanischen Spielerinnen zum ersten Mal ihr Land bei offiziellen Spielen vertreten, die sportlich zudem voll anerkannt werden.
Mitglieder der unabhängigen Beratergruppe für die FIFA-Aktionsstrategie für den afghanischen Frauenfussball sehen in der Initiative einen Wendepunkt.
„Mit diesem Beschluss werden afghanische Spielerinnen nicht als Opfer der Umstände betrachtet, sondern als Spitzenspielerinnen, die das Recht haben, an Wettkämpfen teilzunehmen und gesehen und respektiert zu werden“, erklärte Nadia Nadim, die in Afghanistan geboren wurde und später über 100 Länderspiele für Dänemark bestritt hat. „Das zeigt, was möglich ist, wenn der Sport von Werten und Verantwortung geleitet wird.“
Die ehemalige afghanische Kapitänin Khalida Popal fügte hinzu: „Für diese Spielerinnen geht es bei der Vertretung Afghanistans um Identität, Würde und Hoffnung. Unser Dank gilt der FIFA-Führung, die auf ihr wichtigstes Anliegen eingegangen ist und eine für den Sport einmalige Lösung gefunden hat. Dieser Moment zeigt auch, dass wir mehr erreichen können, wenn wir zusammenhalten.“
Andrea Florence, Geschäftsführerin von Sport & Rights Alliance, sagte: „Diese Reform hat weltweit Vorbildcharakter und zeigt, dass Organisationen ihre Regeln zum Schutz der Menschenrechte anpassen können, wenn ausserordentliche Umstände dies erfordern.“
Die Änderung tritt sofort in Kraft. Die FIFA trifft nun alle nötigen administrativen und vorbereitenden Massnahmen, einschliesslich der Teamanmeldung sowie der Schaffung einer Betriebs- und Sportstruktur. Sie stellt zudem alle nötigen personellen, technischen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung, um einen sicheren, professionellen und nachhaltigen Zugang zu offiziellen Wettbewerben zu gewährleisten.
Die Spielerinnen des afghanischen Frauenflüchtlingsteams erhalten in dieser bis zu zweijährigen Übergangsphase zudem weiterhin massgeschneiderte Unterstützung, damit sich die neue Struktur etablieren kann und weiterhin höchste Schutz-, Leistungs- und Gesundheitsstandards gelten.
Das von der FIFA finanzierte und unterstützte Team wird vom 1. bis zum 9. Juni in Neuseeland sein nächstes Trainingslager absolvieren und in diesem Rahmen auch gegen die Cook-Inseln spielen.