Dienstag 05 April 2016, 13:44

Peralta und der Traum von der Revanche

Im Fussball gibt es wohl kaum eine größere Motivation als eine schnelle Revanche. Wenn sich die Gelegenheit bietet, eine schlechte Leistung durch eine glücklichere Erinnerung im gleichen Szenario zu ersetzen und Trauer und Frust ein für alle Mal hinter sich zu lassen, ist das immer ein besonderer Ansporn.

Vor gerade einmal fünf Monaten schied der mexikanische Spitzenverein Club América gleich in der ersten Runde der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2015 aus. Das war eine große Enttäuschung für die ehrgeizige Fangemeinde und vor allem für die Spieler selbst, die fest entschlossen sind, sich beim nächsten Anlauf zu revanchieren.

Wenn die Águilas nun am Mittwoch, 6. April, im Halbfinal-Rückspiel der CONCACAF Champions League antreten, haben sie daher sicherlich die mögliche Qualifikation für die nächste Auflage der Klub-WM im Hinterkopf. Oribe Peralta, der Starstürmer des Teams, erklärt im Gespräch mit FIFA.com: "Wir sind bereit."

Ein bitterer NachgeschmackZehn Minuten vor dem Ende der Partie gegen Guangzhou Evergrande im Dezember letzten Jahres schien América alles unter Kontrolle zu haben. Dank eines Treffers von Peralta führte das Team mit 1:0 und wartete eigentlich nur noch darauf, dass die letzten Minuten endlich vergingen. Schließlich winkte das heiß ersehnte Halbfinal-Duell mit dem FC Barcelona. Doch auf der Zielgeraden ging alles den Bach hinunter. América kassierte noch zwei Gegentreffer und landete unsanft auf dem Boden der Tatsachen.

"Das war nicht leicht, aber wir haben daraus gelernt", meint der Torschütze Américas in Bezug auf diesen bitteren Fussballabend. "Ich glaube, wir haben jetzt begriffen, dass wir kein Spiel vorzeitig abhaken dürfen und dass wir uns bis zur letzten Sekunde ins Zeug legen und um jeden Ball kämpfen müssen."

Schon vor der Reise nach Japan mussten die Águilas schwere Augenblicke ertragen. Nur wenige Tage zuvor schieden sie nämlich im Halbfinale der Apertura-Meisterschaft 2015 gegen den Erzrivalen UNAM Pumas aus.

Als ob das noch nicht ausreichen würde, begann auch die aktuelle Saison eher durchwachsen. Doch Krisen halten bei so großen Teams in der Regel nicht lange an, und América zeigte die richtige Reaktion. Jetzt, im April, steht das Team im Halbfinale der CONCACAF Champions League und rangiert in der Liga auf dem zweiten Platz.

"Ja, wir haben intern über die Situation gesprochen", so der Stürmer. "Aufgrund der Aktivitäten am Jahresende hatten wir eine kürzere Saisonvorbereitung als die anderen Mannschaften und wir wussten, dass wir uns langsam steigern mussten. Aber jetzt sind wir auf Touren und hoch motiviert. Wir wollen unbedingt wieder ins Finale der Champions League einziehen."

Drei Partien und eine RevancheJetzt geht es darum, alle Zweifel aus dem Weg zu räumen und in Bestform zum entscheidenden Spiel anzutreten. Dieses Ziel verfolgt wohl jede Mannschaft, jeder Fussballer. Das gilt umso mehr, wenn man wie Peralta in den letzten zwölf Partien acht Treffer erzielt hat, fünf davon in den letzten fünf.

"Mir ist bewusst, dass ich damals nicht in Bestform war, aber ich habe einfach normal weitergearbeitet, weil ich wusste, wozu ich fähig bin und was ich erreichen kann. Diese Geduld hat schließlich Früchte getragen", argumentiert der Stürmer, der bereits zwei Mal Torschützenkönig des Turniers war, das erste Mal 2012 in den Reihen von Santos Laguna und das zweite Mal letztes Jahr mit América.

Damit es zur heiß ersehnten Revanche in Japan kommt, müssen die Águilas noch drei Spiele überstehen, in denen sie sich keinen Ausrutscher erlauben dürfen. Das erste davon steht am Mittwoch auf dem Programm, wenn man im Halbfinal-Rückspiel gegen Santos Laguna antritt. Das Hinspiel endete mit einem torlosen Remis.

"Wir wissen, dass wir uns keinen Fehler erlauben dürfen. Wenn der Gegner einen Treffer erzielt, wird es schwer für uns, und bei einem Unentschieden mit Toren wären wir ausgeschieden. Deshalb werden wir das Ganze offensiv angehen und von Beginn an auf Sieg spielen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden", erklärt der 1,79 m große Stürmer.

Der 32-jährige Torjäger schickt zum Abschluss noch eine warnende Botschaft an den Gegner. "Wir wollen zeigen, was América ist. Für uns sind Siege Pflicht. Wir wollen uns unbedingt für die Niederlage im letzten Jahr revanchieren . Das ist für uns ein zusätzlicher Ansporn. Jetzt sind wir bereit, ein gutes Ergebnis zu erzielen und wieder von großen Erfolgen zu träumen."