Sonntag 16 Oktober 2016, 00:03

Nagano peilt historischen Erfolg an

Unter den 336 Spielerinnen, die zur FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft nach Jordanien reisten, war eine, die sich von allen anderen unterschied. Die Japanerin Fuka Nagano nämlich hatte bereits gewonnen, wonach die anderen 335 strebten: eine Siegermedaille des Turniers.

Wenige Woche später steht das Halbfinale bevor und 252 der jungen Spielerinnen mussten bereits abreisen. Doch die japanische Mittelfeldspielerin ist immer noch dabei. Mehr als das: Sie ist einem Platz in der Geschichte näher denn je, denn sie könnte die erste Spielerin werden, die dieses Turnier zwei Mal gewinnt.

Allerdings hat die Fuka Nagano von heute kaum noch etwas mit derjenigen Spielerin zu tun, die 2014 zu Japans Titelgewinn beitrug. Damals war sie die jüngste Spielerin im Kader der jungen Nadeshiko, erkennbar an ihrem schmächtigen Körperbau und ihrem kurzen Haarschopf. Eine wichtige Schlüsselspielerin war sie dennoch und leistete in allen sechs Partien auf dem Weg zum Titelgewinn ihren Beitrag. Damals sah Nagano noch ganz anders aus und agierte auch ganz anders als die starke, gereifte und ruhige Spielführerin, die nun in Jordanien die Fäden im japanischen Mittelfeld zieht.

"In Costa Rica war ich eines der Küken im Team", sagte sie gegenüber FIFA.com. "Dieses Mal ist es ganz anders: Jetzt bin ich der Sempai. Und das ist ein gutes Gefühl. Es gefällt mir, eine der ältesten und erfahrensten Spielerinnen zu sein und den Jüngeren zu helfen, wann immer ich kann. Ich habe viel daraus gelernt, wie mich die älteren Spielerinnen vor zwei Jahren behandelt haben."

Welcher Spielerin aus dem Kader von 2014 sie am ehesten nacheifert, ist nicht schwer zu erraten. Schließlich ist Nagano dieses Mal nicht nur die Spielführerin der Japanerinnen, sondern trägt zudem hier in Jordanien nicht mehr die Rückennummer 15, sondern die 10. Damit hat sie sowohl die Kapitänsbinde als auch die Rückennummer von Hina Sugita übernommen, die 2014 in Costa Rica den Goldenen Ball von adidas gewann. Die damit einhergehende Verantwortung ist ihr durchaus bewusst.

Eines Tages die 10 tragenSie sagte: "Jede junge Spielerin träumt doch davon, eines Tages Spielführerin zu sein, und die meisten 15er wollen eines Tages die 10 tragen. Das war auch bei mir so. Allerdings habe ich erkannt, dass man sich diese Verantwortung erarbeiten und verdienen muss. In Costa Rica lastete eine große Verantwortung auf Sugitas Schultern. Sie ist damit hervorragend umgegangen. Das gleiche muss ich hier auch tun.

Sugita war indes nicht die erste Japanerin, die bei diesem Turnier mit der 10 auf dem Rücken brillierte. Bei der ersten Auflage der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2008 in Neuseeland überzeugte Mana Iwabuchi derart, dass auch sie den Goldenen Ball von adidas gewann, obgleich Japan bereits im Viertelfinale ausschied.

Nagano muss also hohe Erwartungen erfüllen. "Die 10 ist in Japan eine ganz besondere Nummer. Ich bin sehr stolz, sie tragen zu dürfen", sagt sie. "Und ich bin ganz besonders stolz, weil so großartige Spielerinnen wie Iwabuchi und Sugita sie vor mir getragen haben."

Dabei spielt Japans aktuelle Nr. 10 weiter zurückgezogen als ihre Vorgängerinnen. Dies spiegelt sich nicht zuletzt darin wieder, dass Japan zwar mit bislang 16 Treffern die torgefährlichste Mannschaft in Jordanien ist, Nagano selbst jedoch noch nicht getroffen hat. Die Spielführerin hat hingegen maßgeblichen Anteil an der enormen Mittelfelddominanz, auf der die japanischen Erfolge aufgebaut sind. Sie hat bislang jede Minute des Turniers genossen.

Andres Iniesta als Idol"Ich finde, wir haben als Team schon eine ganze Menge erreicht", so die 17-Jährige, die Andres Iniesta als eines ihrer Idole nennt. "Ich bin sehr zufrieden mit dem bisherigen Turnierverlauf. Doch wir wissen, dass wir uns jetzt wieder voll konzentrieren müssen, denn die Partie gegen Spanien wird unsere bisher schwerste Bewährungsprobe."

Nagano weiß sehr genau, wovon sie spricht,  denn ihr Debüt feierte sie 2014 gegen Spanien, und im Finale war der Gegner erneut die Rojita.

"Ich habe sehr gute Erinnerungen an diese Spiele gegen Spanien", sagt sie mit einem Grinsen, und verweist darauf, dass die Asiatinnen beide Partien mit 2:0 gewannen. "Sie hatten 2014 ein sehr gutes Team, aber auch wir hatten eine großartige Mannschaft und wurden im Verlauf des Turniers immer stärker.

"Ich habe auch einige Spiele der Spanierinnen hier in Jordanien gesehen und weiß daher, dass sie erneut ein sehr schwerer Gegner sein werden. Das Positionsspiel und die Beweglichkeit der Spielerinnen sind ihre große Stärke. Doch ich glaube auch an die Stärken meines Teams.

Man kann unser aktuelles Team nur schlecht mit dem von 2014 vergleichen. Beide Mannschaften haben ihre eigenen Stärken. Der größte Unterschied besteht darin, dass die Mannschaft von 2014 es bis ins Finale geschafft und den Titel gewonnen hat. Wir hingegen stehen erst im Halbfinale. Solange wir nicht das erreicht haben, was das Team in Costa Rica geschafft hat, haben wir die Erwartungen noch nicht erfüllt."

Nagano legt die Messlatte damit sehr hoch. Doch wenn jemand in Jordanien weiß, was es braucht, um bei diesem Turnier für Furore zu sorgen, dann ist es schließlich Japans Nummer 10.