Sonntag 24 April 2016, 09:25

Kwon: Wir peilen eine Medaille an

Das olympische Fussballturnier der Männer bei den Spielen von London 2012 verlief für die Republik Korea überaus denkwürdig: Das Team landete auf dem dritten Platz und holte damit erstmals eine Medaille bei diesem Turnier. Vier Jahre später sollen die Schützlinge von Shin Taeyong diesen Erfolg in Rio de Janeiro wiederholen.

Allerdings hatten die Asiaten bei der Auslosung der Gruppen das Glück nicht unbedingt auf ihrer Seite. Sie stehen wieder mit Mexiko in einer Gruppe, dem Titelverteidiger, gegen den es vor vier Jahren in der Gruppenphase ein torloses Unentschieden gab. Auch Deutschland erweist sich stets als harter Gegner. Und selbst Fidschi sollte man angesichts der beeindruckenden Leistungen in der Qualifikation nicht als Punktelieferant abtun.

Trotz der schweren Aufgaben ist Mittelfeldspieler Kwon Changhoon allerdings überzeugt, dass die Mannschaft die Erwartungen durchaus erfüllen kann. "Ich weiß, dass es eine schwere Aufgabe ist, den Erfolg von vor vier Jahren zu wiederholen", so der 21-jährige Spieler der Suwon Bluewings im Gespräch mit FIFA.com. "Doch wir werden in Rio eine Medaille anpeilen und uns als Team intensiv auf dieses Ziel vorbereiten. Bis zum Beginn der Olympischen Spiele müssen wir unsere intensive Vorbereitung fortsetzen um unsere aktuelle Form zu halten."

Betrachtet man die beeindruckenden Auftritte der Südkoreaner bei der AFC U-23-Meisterschaft 2016, bei der sich das Team als Vizemeister für Rio qualifizierte, scheint Kwons Optimismus durchaus angebracht. Der kompakte Stürmer trug fünf Tore zum erfolgreichen Abschneiden des Teams bei und war damit der erfolgreichste Torjäger des Turniers. Damit gehört er zu den vielversprechendsten Nachwuchsakteuren des asiatischen Kontinents.

Beim Sieg im ersten Spiel gegen Usbekistan kam er als Einwechselspieler aufs Feld. In der zweiten Partie gegen Jemen stand Kwon hingegen in der Startaufstellung und feierte schon in der ersten Halbzeit einen Hattrick. Am Ende leuchtete ein 5:0 von der Anzeigetafel. Seinen vierten Treffer erzielte er beim 3:1-Sieg im Halbfinale gegen Gastgeber Katar. Im Finale gegen Japan schließlich gelang ihm der erste Treffer der Partie.

"Ich habe fünf Tore geschossen, aber das ist ja nichts weiter als eine Zahl", so der bescheidene Youngster. "Meine Tore müssen der Hilfe meiner Teamkameraden zugeschrieben werden, ebenso wie dem Vertrauen des Trainers. Wir haben als Team an dem Turnier teilgenommen und all unsere Tore sind unserem Teamwork zu verdanken."

Die Republik Korea blieb bei dem Turnier bis zum Finale gegen Japan ungeschlagen. Kurioserweise ist für Kwon dennoch die einzige Niederlage das denkwürdigste Spiel des Turniers. "Wir haben eine starke Leistung gezeigt, eine fast perfekte Leistung", sagt er mit Blick auf die erste Halbzeit, in der die Südkoreaner mit 2:0 in Führung gingen. Im zweiten Durchgang allerdings verspielten sie dann die Führung und verloren am Ende mit 2:3. "Das entscheidende Tor haben wir erst in den letzten Minuten kassiert. Natürlich war das eine sehr bittere Niederlage, doch ich denke, dass ich und meine Teamkameraden daraus etwas lernen und uns verbessern können.

In der Qualifikation haben wir viel für unser Selbstvertrauen getan. Der Glaube an die eigene Stärke ist ein sehr wichtiger Faktor im Fussball. Auch während des Turniers haben wir uns bewährt. Ich persönlich habe erfahren, dass es noch viel zu lernen gibt und wir uns noch weiter steigern können."

Ein Bewunderer von Park Jisung Wie die meisten ambitionierten Nachwuchsspieler hat auch Kwon ein Idol, dem er nacheifert, seitdem er in der dritten Grundschulklasse mit dem Fussball anfing. Es ist Park Jisung, der früher für die koreanische Nationalmannschaft und für Manchester United spielte und als bester Mittelfeldspieler gilt, den das Land je hervorgebracht hat. "Ich mag auch Lionel Messi sehr, aber wenn es um mein Vorbild geht, dann bewundere ich in erster Linie Park Jisung", so der Spieler. "Ich halte ihn für den besten Fussballer der Welt. Mein großer Traum ist es, ein Fussballer wie er zu werden." Es bleibt abzuwarten, ob die Karriere des aufstrebenden Stars weiterhin so vielversprechend verläuft und er eines Tages tatsächlich in einem Atemzug mit Park genannt wird.

Schon jetzt jedenfalls sorgt Kwon für viel Aufsehen und trifft regelmäßig für seinen Klub und sein Land. Abgesehen von der Qualifikation für die Olympischen Spiele trug er im Rahmen der zweiten Runde der asiatischen WM-Qualifikation für Russland 2018 auch schon drei Tore für die A-Nationalmannschaft bei. Für seinen Klub Suwon wiederum traf er in der vergangenen Saison wettbewerbsübergreifend elf Mal, was für einen so jungen Spieler eine hervorragende Ausbeute ist.

Kwon scheint auf eine erfolgreiche Zukunft zuzusteuern. Im Moment allerdings konzentriert er sich voll und ganz darauf, im August in Rio einen Erfolg zu landen. "Ich freue mich über die Gelegenheit, uns auf einer so wichtigen Bühne wie den Olympischen Spielen zu beweisen. Ich bin sicher, dass mir dieses Turnier die Möglichkeit bietet, ein besserer Spieler zu werden."