Sonntag 07 August 2016, 09:11

Krishna und die Schmetterlinge im Bauch

"Für uns ist es schon fast kalt, mit dem Wind", sagt Roy Krishna mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen im exklusiven Interview mit FIFA.com. "Bei uns auf Fidschi ist es viel wärmer." Vielleicht ist es die Brise, die vom Meer bei strahlendem Sonnenschein herüberweht, die es für ihn kalt erscheinen lässt.

Gemeinsam mit seinem Team konnte sich Krishna zum ersten Mal für das Olympische Fussballturnier qualifizieren, nachdem der Inselstaat im Südpazifik zuvor insgesamt sechs Mal gescheitert war. Entsprechend groß ist die Freude.

"Für uns ist es ein Traum wahr geworden. Normalerweise sehen wir die Olympischen Spiele im Fernsehen und haben keine Vorstellung, wie groß sie sind", erklärt er. "Erst wenn man es selbst erlebt, dann weiß man es. Die Jungs sind wirklich aufgeregt und glücklich. Bevor wir den Flieger von Fidschi nach Brasilien bestiegen haben, konnte in der Nacht vorher keiner schlafen. Wir hatten alle Schmetterlinge im Bauch. Wir sind sehr stolz und es ist eine Ehre, hier zu sein."

Der erste Auftritt auf der großen Fussballbühne verlief dann jedoch alles andere als erfolgreich. Mit 8:0 wurde der Debütant von Korea Republik vom Platz gefegt. Die Atmosphäre im Stadion genossen die Insulaner trotzdem in vollen Zügen. Immer wieder schallte ein lautes 'Fidschi, Fidschi' von den Rängen der Arena Fonte Nova in Salvador.

"Den brasilianischen Jubel für unser Land zu hören, war schon sehr speziell. Die Jungs haben wirklich jede Sekunde des Spiels geschätzt. Die Atmosphäre war einfach unglaublich. In diesen Teil der Welt zu reisen und zu sehen, dass einige Brasilianer sich den Namen Fidschi aufgemalt hatten, ist etwas, dass man mit nach Hause nimmt und Freunden und der Familie erzählt."

Von Diäten und der Kapitänsbinde Immer wieder spricht Krishna von den Jungs und unterstreicht, wie wichtig das Team für ihn ist. Darüber hinaus weiß er, dass ihm eine besondere Rolle zukommt. Der 1,70 Meter große Stürmer spielt in Neuseeland für Wellington Phoenix und ist damit der einzige Profi in den Reihen Fidschis. Es liegt also an ihm, seine Erfahrungen weiterzugeben und den 'Jungs' ein Basiswissen in Sachen Profifussball zu vermitteln.

"Ich muss ihnen beibringen, was sie vor dem Spiel und nach dem Training essen dürfen. Dass sie auf ihren Körper und ihr Training achten müssen. Das sind die drei wichtigsten Punkte, wenn man Profi wird", so der 28-Jährige. "Es ist gar nicht so einfach, den Jungs zu sagen, was sie tun sollen und was nicht. Aber sie lernen schnell und unterstützen mich. Egal was ich sage, sie hören eigentlich auf mich. Das ist ein gutes Zeichen", ergänzt er lachend. "Sie respektieren mich. Dafür liebe ich meinem Job."

Dieser Job beinhaltet ebenfalls die Kapitänsbinde zu tragen und sein Team auf dem Platz anzuführen. Eine Aufgabe, in die er erst einmal hineinfinden musste. "Ich spüre schon Druck. Aber ich wusste vorher, dass ich mich verbessern und lernen muss, was es bedeutet Kapitän zu sein. Ich habe mit meinem Trainer und dem Kapitän meines Vereins gesprochen. Sie haben mir wertvolle Tipps gegeben, wie ich das Team führen und die Moral hochhalten kann."

Tipps, die ihm vor der nächsten Partie helfen werden, seine Mannschaft auf den nächste Gegner einzustimmen. Mit Mexiko wartet kein Geringerer als der amtierende Champion, in dessen Reihen Oribe Peralta weiterhin auf Torejagd geht. Beide Treffer im Finale 2012 gegen Brasilien gingen damals auf sein Konto.

"Im ersten Spiel haben wir sehr tief hinten drin gestanden und Korea erlaubt, auf uns zuzukommen. Bei diesem Spiel werden wir einfach nach vorne gehen. Wir haben die Fähigkeiten, direkten Fussball zu spielen und den Ball zu halten. Im ersten Spiel haben wir das nicht getan, wir hatten zu viel Respekt vor Korea. Wir werden versuchen, nach vorne zu spielen."