FIFA
Sonntag 09 Oktober 2016, 11:03

Jordanierinnen sammeln wichtige Erfahrungen für die Zukunft

"Es war eine sehr wertvolle Erfahrung. Wir wissen nun, wo wir stehen. Das ist erst der Anfang." Mit diesen Worten resümiert Rand Albustanji, die Torhüterin der jordanischen Auswahl, die erste Teilnahme ihres Landes an der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft.

Nach drei Niederlagen und dem vorzeitigen Abschied aus dem Turnier gingen die jungen Jordanierinnen nach der Partie gegen Neuseeland im Prince Mohammed International Stadium in gedrückter Stimmung vom Platz. Doch im Gespräch mit den Medienvertretern in der Mixed Zone hatten sie sich schon wieder gefasst. Sie standen in der Nähe ihrer Fans, die in großer Zahl zum Mannschaftsbus geströmt waren, um sie zu ermutigen. So zeigte Rand Albustanji im Gespräch mit FIFA.comein strahlendes Lächeln: "Trotz der drei Niederlagen und der vielen kassierten Tore haben wir wichtige Erfahrungen für die Zukunft gesammelt. Unser Team hat zum ersten Mal an einem großen Turnier teilgenommen und wir kannten das Niveau noch nicht."

Albustanji stand in allen drei Partien auf dem Platz und musste nicht weniger als 15 Gegentore hinnehmen. Gleichzeitig hat sie mit 23 abgewehrten Schüssen die meisten Paraden aller Kolleginnen gezeigt und kam am Ende auf eine Erfolgsquote von 60,5 Prozent. "Diese Zahlen beweisen, dass ich in den Spielen ständig unter Druck stand. Das ist normal, da die Gegnerinnen viel erfahrener als wir waren. Ich habe alles getan, um keine Tore zu kassieren, und viel aus dieser Erfahrung gelernt, auch wenn es hart war."

Man könnte meinen, dass Albustanji seit frühester Kindheit für ihre Position trainiert. Weit gefehlt. Sie spielte anfangs als rechte Flügelstürmerin und wechselte erst vor zweieinhalb Jahren ins Tor. "Ich beschloss 2014, vor der Qualifikation zum U-14-Asien-Cup, die Handschuhe überzustreifen. Zwei Dinge haben mich überzeugt: Die Torhüterin ist ein wichtiger Teil des Teams und die Freude nach einer Parade ist genauso stark wie die, ein Tor zu schießen."

Das junge Mädchen möchte nun in die Fußstapfen einiger großer männlicher Kollegen treten, deren Qualitäten sie bewundert: Der Kapitän der jordanischen A-Nationalmannschaft, Amer Shafi, und der spanische Superstar, Welt- und Europameister Iker Casillas.

Großer Schritt nach vorne Auch die Kapitänin Luna Sahloul zeigte sich in ihrer Analyse zufrieden mit der Leistung ihres Teams. "Ich bin stolz, weil wir Jordanien erstmals auf der weltweiten Bühne vertreten haben. Wir hatten schwere Spiele erwartet. Mit dem Fussball beginnt man im Kindesalter. Diese Lehrjahre, die uns die anderen Teams voraus hatten, waren ein Vorteil für sie. Wir haben den ersten Meilenstein für den Frauenfussball gesetzt, der vorankommt. Und das ist für uns ein großer Schritt nach vorne."

Als Innenverteidigerin stand Sahloul ebenfalls permanent unter dem Druck der gegnerischen Angriffswellen. "Jede Gegner hatte andere Qualitäten: Schnelligkeit, Kraft, Kondition, taktisches Können. Diese Niederlagen sind zweifellos nötig, um sich weiterzuentwickeln. Wir werden weiter daran arbeiten, so schnell wie möglich besser zu werden."

Ihre Mitstreiterin im Abwehrverbund, Alanoud Ghazi, blickt sogar weiter in die Zukunft: "Der Unterschied zu unseren Gegnerinnen war groß. Es ist das erste Mal, dass wir einen weltweiten Wettbewerb bestreiten. Wir haben unser Bestes gegeben, aber anderthalb Jahre Training ohne Pflichtspiele sind nichts im Vergleich zu fünf oder mehr Jahren Wettkampferfahrung bei großen nationalen und internationalen Turnieren", sagt sie.

"Wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen. Meine Teamkameradinnen und ich sind stolz darauf, gegen Teams gespielt zu haben, die uns weit voraus sind. Wir werden uns unseren Mut und unseren Lernwillen bewahren. Ich hoffe, in die A-Nationalmannschaft zu kommen. Ich träume davon, beim Asien-Cup 2018 dabei sein und mit meinen Idolen zusammenspielen zu können: Die Verteidigerinnen Ayah Al Majali und Yasmeen Khair. Yasmeen ist schon immer mein Vorbild gewesen, denn ich möchte auf dem Platz genauso mutig und souverän sein wie sie. Ich bin erst seit zwei Jahren Abwehrspielerin."

Die jungen Jordanierinnen sind als Verliererinnen vom Platz gegangen, haben aber den Glauben an sich selbst nicht verloren und stehen vor einer glänzenden Zukunft. Sie kennen nun den Weg, den sie nehmen müssen. Zweifellos werden sie mit noch größerer Motivation trainieren, um sich zu verbessern und schon bald neuen Herausforderungen zu stellen.