Trainer wünschen sich immer Spieler, die auf dem Feld mitdenken. Dementsprechend kann sich Irans Seyed Nazemalsharieh glücklich schätzen, dass er Mohammad Keshavarz bei der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Kolumbien 2016 in seinen Reihen hat. Denn der Kapitän des Asienmeisters war ein Jahr lang Trainer seines Teams Giti Pasand.
"Wir hatten einige Probleme in unserem Klub und keinen Trainer. Der Verein hatte auch nicht genug Geld, um einen neuen zu engagieren, also bin ich eingesprungen, um meinem Team zu helfen", erklärt der 34-Jährige im Gespräch mit FIFA.com, wie er zu dieser Aufgabe kam. In der Saison 2014/15 war er also Spieler und Coach. Eine Erfahrung, die seine Sichtweise auf den Futsal änderte.
Auf einmal musste er sich um Taktik, Trainingsvorbereitung und viel Organisatorisches kümmern. "Wenn man Verantwortung übernimmt, ändert sich plötzlich der Blickwinkel. Ich musste auf so viele Sachen Acht geben", blickt der Verteidiger auf diese Zeit zurück und muss lachend anerkennen: "Ich verstehe jetzt einige meiner früheren Trainer besser, wenn sie versucht haben, mir in jungen Jahren etwas beizubringen."
Zukunft geplant Auch wenn Keshavarz diese Doppelbelastung als Spielertrainer sehr anstrengend empfand, so hat er sich sehr gut gemacht. Asiens Fustal-Spieler des Jahres 2011 führte sein Team auf Platz zwei in der iranischen Meisterschaft und verpasste den Titel nur um einen Punkt. Mit diesem Erfolg ist sein späterer Weg sicherlich schon geebnet.
"Natürlich möchte ich später einmal als Trainer arbeiten", plant Keshavarz seine Zukunft schon voraus. Wann er seine Schuhe zu Gunsten des Taktikbretts an den Nagel hängt, will der Vater einer kleinen Tochter jedoch noch nicht sagen. "Sobald ich merke, dass ich keinen Nutzen mehr für das Team darstelle, werde ich aufhören."
Wenn man den sechsfachen iranischen Meister derzeit aber bei der WM in Kolumbien beobachtet, könnte das noch einige Zeit dauern. Bei seiner mittlerweile vierten WM geht er in seinem Team voran und ist ein wichtiger Rückhalt. Mit seiner Routine half er Iran, die überaus schwierige und harte Partie gegen Marokko siegreich zu beenden.
Dabei fällt auf, dass Irans Nummer vier das Trainergen noch nicht ganz abgelegt hat. Permanent kommunizierte er mit seinen Mitspielern und gab Anweisungen. Nachdem sein Team bereits früh die Teamfoulgrenze erreicht hatte und Gefahr lief einen Strafstoß zu kassieren, versuchte er seine Kollegen zu beruhigen. Selbst agierte er in der Zweikämpfen äußerst clever und zwang seinen Gegenspieler vermehrt zu Fehlpässen.
Der Trainer ist der ChefNach der Partie, die Team Melli mit 5:3 gegen den Afrikameister gewann, unterhielt sich Keshavarz auf dem Feld noch lange Zeit mit seinem Trainer. "Wir diskutieren sehr oft, vor allem über taktische Aspekte. Im Training versuche ich dann, diese meinen Mitspielern noch einmal zu erklären", erzählt er und fügt an: "Aber der Trainer gibt die Spielweise vor, ich übermittle nur hin und wieder."
Dieses Zusammenspiel lief in Kolumbien bisher gut. Gegen Europameister Spanien hielt Iran gut dagegen, musste am Ende aber eine Niederlage hinnehmen. Nach dem Sieg über Marokko stehen die Chancen auf den Achtelfinaleinzug aber nicht schlecht. Nachdem Keshavarz 2012 nach dieser Runde ausgeschieden ist, möchte er 2016 mehr erreichen.
"Wir sind mit großen Ambitionen nach Kolumbien gereist und wollen definitiv noch länger in diesem tollen Land bleiben", zeigt er sich selbstbewusst. Dafür braucht es im abschließenden Gruppenspiel gegen Aserbaidschan (kommenden Sonntag, 18. September, 18 Uhr Ortszeit in Medellin) einen Sieg. Dann hätte man auf jeden Fall die Gruppenphase ��berstanden.
Mit Sicherheit wird Keshavarz aus Südamerika einige wichtige Erfahrungen mitnehmen, die ihm in seiner späteren Karriere als Trainer helfen werden. Dann muss er nur noch darauf hoffen, dass auch seine Spieler so viel mitdenken, wie er es heute tut und wir werden seinen Namen sicherlich auch in Zukunft noch hören.