Wer ihn so in der Lobby des Hotels stehen sah, wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass Dylan Bance vor einem der größten Augenblicke seiner Karriere als FIFA-Gamer stand. Er wirkte eher wie jemand, der sich auf den Weg machen möchte, eine Runde um den Block zu drehen, als wie ein Spieler, der kurz vor dem großen Triumph steht.
Seine Gelassenheit beruhte vielleicht darauf, dass er der erfahrenste FIWC-Spieler der Halbfinalisten in New York City war, die allesamt das Grand Final erreichen wollten. Weniger als zwölf Monate vor dem Finale in New York hatte der Franzose auch am FIWC 2015 in München teilgenommen.
"Ich lasse mich nicht leicht stressen", erklärte Bance gegenüber FIFA.com. "Ich bin sehr ruhig bei FIFA und auch im wirklichen Leben. Der Druck macht mir also keine großen Sorgen. Vielleicht kommt er, wenn ich das Theater sehe, aber warten wir es mal ab."
Mit 'Theater' meinte er Harlems historisches und weltberühmtes Apollo Theater, auch das ein Indiz dafür, dass der FIFA Interactive World Cup noch bedeutender geworden ist. Bances Gegner im Halbfinale würde der Engländer Sean Allen sein.
"Als ich hierher kam, wollte ich natürlich gewinnen. Im Verlauf des Turniers kommt man dann diesem Ziel immer näher. Jetzt gibt es viel Druck, das Finale findet ja nun auch im Apollo Theater statt! Wenn ich gewinne, weiß ich nicht, wie ich mich verhalten werde!"
"Normalerweise spiele ich in meinem Zimmer. Das ist keine große Sache. Aber dass das alles nun im Apollo Theater stattfindet, einem Ort, an dem sonst Musik dargeboten wird, das ist schon unglaublich."
Psychologische HürdeIn der Gruppenphase am Vortag waren bei Bance noch einige schiefe Töne zu hören. Er hatte bereits dort in Allens Gruppe gespielt und gegen den Engländer mit 0:4 den Kürzeren gezogen. Es gab also eine kleine psychologische Hürde, die es vor dem Erreichen des Finales zu überwinden galt. "Die Gruppenphase lief etwas durchwachsen für mich", erzählte er. "Ich habe es gerade noch so geschafft. Danach lief es besser. Ich habe gute Partien abgeliefert, um ins Halbfinale zu kommen. Das ist schon eine tolle Sache."
Als erfahrener Spieler hat Bance einige Unterschiede zwischen den Spielweisen und taktischen Ausrichtungen bei dieser jüngsten Auflage des Turniers in New York City feststellen können.
"Ich war im vergangenen Jahr in München beim FIWC 2015 und dort waren wir nur 20 Spieler. Dieses Jahr waren es schon 32. Es gibt hier sehr viel Abwechslung, was die Spieler angeht, sehr viele unterschiedliche Spielweisen, es ist also alles ein wenig anders."
Wenn er seine eigene Spielweise beschreibt, zieht Bance Vergleiche zu einem Team, das sich in der Welt des Fussballs größten Respekt verdient hat: "Meine Spielweise ist bedächtig und auf Ballbesitz ausgerichtet, vielleicht ein wenig wie die von Barcelona. Ich mag es, den Ball zu haben und meine Angriffe langsam aufzubauen. Andere Spieler wie Sean spielen direkter und schneller. Das sind gute Gegner für mich, glaube ich. Wichtig ist es, nicht den Ball leichtfertig zu verlieren. Ich möchte mein Spiel langsam aufbauen und ich hoffe, dass ich damit Erfolg haben werde."
Im Halbfinale spielte Allen mit Brasilien, während Bance das deutsche Team auswählte. Als Allen, wie bereits am Vortag, den ersten Treffer erzielte, machte sich ein Déjà-vu-Gefühl breit. Bance verlor zu leicht den Ball und Allen nutzte das aus. Mit zwei späten Toren machte Neymar seinen Hattrick komplett und am Ende hatte Brasilien mit 3:0 gewonnen.
Wie Barcelona in der UEFA Champions League in diesem Jahr ging auch Bances Abenteuer beim FIFA Interactive World Cup vorzeitig zu Ende. Eines dürfte jedoch klar sein: Dank seiner Gelassenheit wird Bance an diesem Rückschlag nicht lange zu knabbern haben.