Matsuev: Sport und Kultur gehören zu Russlands internationalem Erbe

Der Pianist Denis Matsuev wurde jüngst zum Botschafter für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ ernannt. Er bekam seine Ernennungsurkunde von Alexey Sorokin, dem Haupt-Geschäftsführer des Lokalen Organisationskomitees für Russland 2018 und von FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura überreicht.

Im Anschluss daran nahm sich der gefragte Pianist trotz seines vollen Terminkalenders Zeit für ein Gespräch mit FIFA.com. Er sprach über seine Großmutter, die sein Interesse am Fussball weckte, die goldene Zeit von Spartak Moskau 1989 und die bevorstehende FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™, die Russland neue Möglichkeiten eröffnen soll.

Wie wurden Sie zum Fussballfan? Ich liebe den Fussball schon, seit ich ein kleines Kind war. Meine Großmutter war eine leidenschaftlichen Anhängerin von Spartak Moskau: Ich weiß noch genau, wie sie immer sagte: "Schlafen? Was soll denn das heißen? Was ist mit dem Fussball?" Spartak Moskau spielte in den 1980er Jahren einen unglaublichen Stil mit fantastischen Tempowechseln, tollem Spielfluss und mannschaftlicher Geschlossenheit. In dieser Zeit standen herausragende Spieler im Kader. Als ich das Team vor mehr als 30 Jahren zum ersten Mal sah, wusste ich, dass ich immer wieder zuschauen würde. Die Loyalität zu Spartak war einer der Gründe, warum ich nach Moskau kam. Ich musste die Zentrale Musikschule besuchen, aber eigentlich wollte ich viel lieber in meiner Heimatstadt Irkutsk bleiben. In unserem Straßenteam spielte ich im Angriff. Ich wollte meine Freunde nicht zurücklassen und in die große Stadt gehen. Da sagte meine Mutter zu mir: "Verstehst du denn nicht? Du wirst Spartak sehen können, so oft du willst – direkt im Stadion!" Damit war die Sache für mich klar!

Was für Erinnerungen haben Sie an Ihren Umzug nach Moskau? Ich kam nach Moskau, um an der Zentralen Musikschule zu studieren und ging natürlich zu jedem Spartak-Spiel. Ich zeichnete Diagramme, schrieb alle Ergebnisse auf und verzeichnete akribisch jedes Tor. Ich bin sogar zu vielen Auswärtsspielen von Spartak gereist. Ein Leben ohne Fussball konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Das unvergesslichste Spiel, das ich je erlebt habe, war natürlich ein Spartak-Spiel. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Es war 1989 im Luschniki-Stadion. Ich war zum ersten Mal in diesem Stadion. Es war das entscheidende Spiel um die Meisterschaft zwischen Spartak und Dynamo Kyiv. Valeri Shmarov erzielte eine Minute vor Schluss den entscheidenden Treffer und Spartak wurde sowjetischer Meister. Es war das erste Mal unter Oleg Romantsev. Einfach unvergesslich…

Waren Sie auch bei anderen Fussballspielen? An welche Partien können Sie sich besonders gut erinnern? Ich erinnere mich noch gut an das Finale des Olympischen Fussballturniers von Atlanta 1996 zwischen Argentinien und Nigeria. Nigeria holte zwei Mal einen Rückstand auf und gewann schließlich durch ein Tor wenige Sekunden vor Schluss. Ich war auch beim WM-Finale 1998 in Paris. Und ich war dabei, als Russland 1999 im Luschniki-Stadion in letzter Minute gegen die Ukraine verlor, weil sich Torhüter Aleksandr Filimonov bei einem Freistoß von Andriy Shevchenko verschätzte und den Ball ins Tor rutschen ließ.

Wie oft besuchen Sie Spiele von Spartak Moskau? Ich versuche, bei jedem Spiel von Spartak dabei zu sein. Wir warten schon lange auf neue Erfolge des Teams. Doch ich denke, echte Fans sind genau dann zur Stelle, wenn es hart ist. Die Saison 1976 ist ein gutes Beispiel. Ich war erst ein Jahr alt und habe das über Spartak erst später von anderen erfahren. Jedenfalls war Spartak abgestiegen und der legendäre Trainer Konstantin Beskov hatte das Team übernommen. Und auch in dieser Situation waren alle Heimspiele ausverkauft. In dieser Krise wurde das Team geboren, das später den sowjetischen Fussball dominierte. Es ist richtig, dass unser Team im Moment so seine Probleme hat, doch ich habe Vertrauen in Dmitri Alenichev – man sollte ihm mindestens zwei Jahre Zeit lassen.

Was sagen Sie dazu, dass die nächste WM in Ihrer Heimat Russland stattfinden wird? Ich war überglücklich, als unser Land als Gastgeber der Weltmeisterschaft ausgewählt wurde. Ich kann das Turnier kaum noch erwarten und halte es für unbedingt erforderlich, dass wir ein angemessenes Kulturprogramm vorbereiten, wie auch schon bei den Olympischen Spielen von Sotschi. Ich war bei der Schlussfeier im Fisht-Stadion dabei und stand mitten im Zentrum, während Milliarden Menschen rund um die Welt zusahen. Die Zeremonie spiegelte unsere Kultur wieder. Es war grandios! Sport und Kultur sind Werte, die uns mit Menschen in anderen Ländern verbinden. Sie können zur Lösung aller Konflikte beitragen. Ich hoffe, dass jede Region unseres Landes ein eigenes kulturelles Programm entwickelt. Schließlich hat jede Region ihre eigenen Bräuche, Traditionen und Charakteristiken, die wir der Welt unbedingt vorstellen sollten. Die bevorstehende Weltmeisterschaft ist für jede FIFA WM-Stadt ein Geschenk. Die Menschen in Samara, Saransk und all den anderen WM-Städten bekommen die Gelegenheit, internationale Superstars in Fleisch und Blut zu sehen.

Welche Fortschritte haben Sie im Vorfeld des Turniers bereits beobachtet? Ich trete überall im ganzen Land auf und sehe, wie neue Flughäfen und Hotels entstehen, die es vor fünf Jahren noch nicht gab. Das Land entwickelt sich und die jungen Menschen stecken voller Energie und nutzen die Möglichkeiten. Wir müssen diese Entwicklung auch durch den Bau neuer Fussballeinrichtungen fördern, denn Sport und Kultur sind gesunde, positive Einflüsse.

Was ist es für ein Gefühl, ein Botschafter für Russland 2018 zu sein? Ich empfinde es als große Ehre, WM-Botschafter zu werden. Diese Ernennung verleiht mir noch mehr Energie, um die Werte des Turniers zu fördern und alles zu tun, um kulturell zu dem Ereignis beizutragen. Alle FIFA WM-Städte haben eigene Symphonieorchester. Diese Orchester sollten in Veranstaltungen rund um die Spiele einbezogen werden. Wie ich schon gesagt habe: Sport und Kultur müssen gefördert werden, dann können sie sehr nützlich sein. Sie gehören zu unserem internationalen Erbe.