FIFA
Dienstag 07 Juni 2016, 09:27

Dahlkvist will ihre Chance nutzen

Bei Olympia eine Goldmedaille zu gewinnen, ist für jeden Athleten, egal in welcher Sportart,  das Höchste was er erreichen kann. Und den Titel des Olympiasiegers wird er sein Leben lang behalten. Doch der Weg ganz nach oben auf das Siegertreppchen ist ein beschwerlicher. Das weiß auch Lisa Dahlkvist, die 2012 in London beim Olympischen Fussballturnier für Frauen im Kader der schwedischen Frauennationalmannschaft stand. In London war für sie und ihre Mitspielerinnen nach dem Viertelfinale Schluss. Medaille? Fehlanzeige. Das war auch in den vorherigen Auftritten der Skandinavierinnen bei Olympia nicht anders. Rang vier 2004 in Athen war die bisher beste Platzierung.

Das soll sich in diesem Jahr endlich ändern, zumindestens wenn es nach Dahlkvist geht. Ob das schwedische Team das Zeug dazu hat, in Rio die Goldmedaille zu holen? "Ja", lautet ihre klare Antwort im exklusiven Interview mit FIFA.com. "Natürlich müssen wir in allen Gruppenspielen gut sein. Es wird schwer, und jeder in unserem Team muss sich auf absolutem Topniveau befinden. Wenn wir das schaffen und alle zusammenhalten, dann haben wir eine Chance."

Eine Chance, die die Blågult bereits in der Qualifikation für Olympia nutzten. In einem Miniturnier, das vom 2. bis 9. März 2016 in den Niederlanden ausgetragen wurde, setzten sie sich gegen Norwegen, die Schweiz und den Gastgeber durch und durften am Ende den Startplatz bejubeln. "Diese drei Spiele haben uns mehr und mehr zusammengeschweißt. Sie haben uns das Gefühl gegeben, das wir gegen gute Mannschaften gewinnen können, wenn wir hart arbeiten", erklärt die gebürtige Stockholmerin und beschreibt mit wenigen Worten die Stärken Schwedens. "Wir spielen schnell nach vorne und verfügen über eine gute Defensive. Wir arbeiten hart und haben einen guten Teamgeist."

Alte Bekannte in der Gruppenphase Stärken, die die Schwedinnen auch benötigen werden, wenn sie die Gruppenphase überstehen wollen. Denn die hat es in sich. Neben Gastgeber Brasilien, bei dem die fünfmalige FIFA-Weltfussballerin Marta gerade erst wieder ihre Torgefährlichkeit unter Beweis stellte, warten China VR und Südafrika.

"Es ist eine schwere Gruppe, aber auch lustig", so Dahlkvist mit einem Schmunzeln. "Es sind so unterschiedliche Teams, gegen die wir viele Male gespielt haben. Brasilien spielt vor eigenem Publikum. Man erwartet, dass sie es bis ins Finale schaffen und das wollen sie auch. Sie haben gerade ein sehr gutes Spiel gegen Kanada absolviert. Sie wollen eine gutes Turnier spielen und ich denke, dass sie dies auch tun werden."

Vorteil für die von Pia Sundhage trainierte Elf könnte sein, dass der Fokus in Gruppe E auf Marta und Co. liegen wird. "Auf ihren Schultern lastet eine Menge Druck. Das ist gut für uns", erklärt die vierfache schwedische Meisterin. "Aber wenn sie wirklich hart arbeiten und diesen Druck in positive Energie umsetzen können, dann ist ihnen eine gute Unterstützung sicher. Es hängt wirklich davon ab, wie gut Brasilien mit diesem Druck umgehen kann."

Unterstützung der Familie? Sehr wichtig! Dahlkvist setzt in der Erfüllung ihres Goldmedaillen-Traumes auf neue Erfahrungen, die sie in Frankreich sammeln konnte. Den größten Teil ihrer bisherigen Karriere verbrachte die Mittelfeldspielerin, die 2008 in der Nationalmannschaft debütierte, in Schweden. 2015 nahm sie ein Angebot des französischen Erstligisten Paris Saint-Germain an und bereut diesen Schritt nicht.

"Es war sehr gut für mich. In Frankreich ist das Spiel viel technischer. Ich habe meine Technik und mein Kurzpassspiel weiterentwickelt. Ich denke, dass man an sich selbst glauben und die Dinge in die Hand nehmen muss. Ich habe die meiste Zeit in Schweden verbracht. Wenn man in ein anderes Land geht, dann muss man die Dinge anpacken. Und ich glaube, dass habe ich getan. Es hat mir geholfen, gegen gute Mannschaften wie Barcelona oder Lyon zu spielen.“

Eine große Rolle spielt für die 29-Jährige auch die Unterstützung durch die Familie, die das Fussball-Gen zu besitzen scheint. Dahlkvist selbst hat das Talent von ihrem Vater Sven, der zwischen 1979 und 1985 39 Partien im Dress der schwedischen Nationalmannschaft absolvierte und 1984 Fussballer des Jahres in Schweden wurde, mit in die Wiege gelegt bekommen.

"Meine ganze Familie ist wichtig für mich. Sie schauen alle meine Spiele. Mein Vater und meine Schwester sind die Personen, mit denen ich am meisten (über Fussball) spreche und die ich nach einigen Spielen frage, was sie denken. Es ist wirklich schön, eine Familie zu haben, die einem direkt sagt, was sie denkt. Das ist sehr wichtig für mich."

Erster Gegner Schwedens bei Olympia ist am 3. August die Mannschaft aus Südafrika. Vielleicht kann sich Dahlkvist nach dieser Begegnung jede Menge Tipps von der Familie für das nächste Spiel holen, vielleicht muss sie das aber auch gar nicht...

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