Takuma Asano wirkt ausgesprochen entspannt, und wüsste man es nicht besser, würde man nie auf die Idee kommen, dass er gerade einen Vertrag beim FC Arsenal unterzeichnet hat und vor dem größten Auftritt seiner Karriere steht. Asano sitzt in der Lobby des japanischen Teamhotels, um der Mittagshitze der am Amazonas liegenden Stadt Manaus zu entgehen, und zeigt keine Spur von Nervosität. Er ist bereit.
Die meisten 21-Jährigen, denen sich solche Möglichkeiten bieten wie Asano jetzt, würden sich wohl ganz auf sich selbst und ihre Karriere konzentrieren – insbesondere in einer so wichtigen Entwicklungsphase. Man könnte es ihnen auch kaum verdenken. Doch als wir ihn nach seinem olympischen Traum fragen, kommt er ungefragt zunächst einmal auf seine Familie zu sprechen.
"Bei Olympia zu spielen war schon immer ein Traum von mir", so Asano in einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com im Vorfeld von Japans Auftaktspiel gegen Nigeria. "Das ist auf jeden Fall eines der größten Fussballturniere der Welt. Jeder weiß über das Turnier Bescheid. Es ist wirklich spannend, hier dabei zu sein. Seit ich Profi bin, wünscht sich meine Familie, dass ich bei den Olympischen Spielen dabei sein kann. Das ist also auf jeden Fall eine gute Sache für meine Familie und für mich selbst auch."
Asano wuchs zusammen mit fünf Schwestern und einem Bruder in der Präfektur Mie in der Region Kansai auf. Seine Mutter kümmert sich um die Familie, sein Vater ist Lkw-Fahrer.
"Ich bedanke mich immer bei meinen Eltern", so Asano. "Da ich viele Geschwister habe, bin ich bescheiden. Jeder in meiner Familie hatte die Chance, Fussball zu spielen. Daher bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Ich fühlte mich einfach nur geehrt. Seit ich hier in Brasilien bin, habe ich bereits ein paar Mal über Videoanrufe mit ihnen telefoniert. Sie werden sich das Ganze auf jeden Fall im Fernsehen anschauen!"
Lockruf LondonSeine Familie hat ihn auch bei seiner jüngsten wichtigen Karriereentscheidung unterstützt. Schon in der Kindheit träumte Asano davon, sich eines Tages einem europäischen Spitzenklub anzuschließen.
"Ich wollte schon immer im Ausland spielen und hatte auch vorher schon einige Angebote, aber ich war mir nie sicher, ob ich sie annehmen sollte oder nicht", so Asano. "Dann wurde ich einmal in die A-Nationalmannschaft berufen, aus der viele Spieler im Ausland aktiv sind. Als ich mit ihnen zusammen auf dem Platz stand, kam der Wunsch auf, auch in einer ausländischen Liga zu spielen und die Herausforderung anzunehmen."
"Und dann erhielt ich das Angebot von Arsenal. Natürlich war ich noch immer nicht sicher, ob ich tatsächlich dorthin gehen sollte oder nicht. Ich sprach mit meiner Familie und Freunden, und danach fühlte sich die Entscheidung richtig an."
Asano hatte in Japan bereits bedeutende Karriereschritte gemacht und wurde 2015 zum besten jungen Spieler der J-League gewählt. Sobald Arsenals Interesse bestätigt wurde, machte sein Name jedoch in der ganzen Welt die Runde.
"Ich bin begeistert von allem! Von Olympia und auch von der Sache mit Arsenal – ich bin noch nicht sicher, ob ich tatsächlich nächste Saison direkt für Arsenal spielen werde, aber ich werde mein Bestes geben."
"Mein Motto ist immer, 100 Prozent für alles zu geben, was vor mir liegt. Ich möchte einfach in allen Bereichen mein Bestes geben, seien es nun die Olympischen Spiele oder die neue Saison. Und nach den Olympischen Spielen möchte ich auf jeden Fall versuchen, den Sprung in die A-Nationalmannschaft zu schaffen."
Bereit für eine FührungsrolleEs wäre wohl noch untertrieben zu sagen, dass 2016 für Asano den Durchbruch gebracht hat. Nach seiner guten Leistung in den Reihen von Sanfrecce Hiroshima bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2015 und einer Berufung in die A-Nationalmannschaft von Vahid Halilhodžić Anfang des Jahres leistete er einen entscheidenden Beitrag zum Sieg Japans bei der AFC U-23-Asienmeisterschaft in Katar. Bei Japans knappem 3:2 Finalsieg gegen die Republik Korea erzielte er zwei Treffer.
"Da ich schon einmal in die Nationalmannschaft berufen wurde, sehe ich mich in diesem Team als einen Führungsspieler, der die Verantwortung hat, gute Ergebnisse zu erreichen", so Asano. "Wenn ich in diesem Team nicht gut spiele, werde ich definitiv nicht die Chance bekommen, auf der nächsten Ebene zu spielen. Eins nach dem anderen. Wir werden versuchen, unsere Sache hier gut zu machen und bei diesem Turnier gute Leistungen abzuliefern. Dann kommt die nächste Ebene."
Beim letzten Olympischen Fussballturnier musste Japan sich im Spiel um die Bronzemedaille in Cardiff mit 0:2 gegen die Republik Korea geschlagen geben. Asano betont, dass er angesichts der damaligen Niederlage nicht weniger motiviert ist, seinem Land bei dieser Auflage zu einem Podiumsplatz zu verhelfen.
"Wir haben zwar bei der letzten Olympiade keine Medaille erreicht, das Team hat aber im Turnier eine wirklich gute Leistung gebracht", meint er. "Das hat mich auf jeden Fall dazu inspiriert, dieses Mal nach einem besseren Ergebnis zu streben."
Sollte es ihm in Brasilien gelingen, Tore zu schießen und mit seinem Land eine Medaille zu gewinnen, dann wird er mit Sicherheit zuerst an seine Familie denken. Und zu Hause in Japan werden sie auf einen Videoanruf aus Rio warten, um mit ihrem Helden zu feiern.