Richtungsweisende Änderungen zur Verringerung von Spielverzögerungen verabschiedet
Zweite gelbe Karten vom Video-Schiedsrichterassistenten neu überprüfbar
Erarbeitung von schärferen Massnahmen zur Bekämpfung diskriminierenden Verhaltens im Vorfeld der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™
Bei seiner 140. Jahresversammlung bewilligte der International Football Association Board (IFAB) eine Reihe von Massnahmen zur Verbesserung des Spielflusses und zur Eindämmung von Spielverzögerungen im Fussball.
Die Sitzung fand in Hensol (Wales) unter dem Vorsitz von Mike Jones, dem Präsidenten des walisischen Fussballverbands (FAW), statt. Da der FAW in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, bot der Ort den passenden Rahmen für Entscheidungen zur Gestaltung der Zukunft des Fussballs.
Die verabschiedeten Änderungen, die bereits bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ und anderen Wettbewerben umgesetzt werden, sind eine direkte Reaktion auf die Forderungen der gesamten Fussballgemeinschaft, einschliesslich der globalen Beratungsgremien des IFAB, nach praktischen Instrumenten zum Schutz der effektiven Spielzeit.
Einwürfe und Abstösse Nach der weitgehend positiv aufgenommenen Änderung hinsichtlich zu langen Ballhaltens des Torhüters im letzten Jahr bestätigten die Mitglieder der Jahresversammlung die Ausweitung des Countdowns auf Einwürfe und Abstösse.
Wenn die Ausführung eines Einwurfs oder Abstosses nach Ansicht des Schiedsrichters zu lange dauert oder absichtlich verzögert wird, zeigt der Schiedsrichter einen Fünf-Sekunden-Countdown an. Wenn der Ball nach Ablauf des Countdowns nicht im Spiel ist, wird der Einwurf dem gegnerischen Team zugesprochen, während bei einem übermässig verzögerten Abstoss auf Eckstoss für den Gegner entschieden wird.
Zeitlimit bei Auswechslungen Im Sinne des Spielflusses müssen ausgewechselte Spieler das Spielfeld innerhalb von zehn Sekunden nach der Anzeige auf der Auswechseltafel oder, falls keine Tafel vorhanden ist, innerhalb von zehn Sekunden nach dem Auswechselzeichen des Schiedsrichters verlassen haben. Steht der Spieler nach Ablauf der Frist noch auf dem Spielfeld, muss er dieses trotzdem verlassen, aber der Einwechselspieler darf das Spielfeld erst während der ersten Spielunterbrechung nach Ablauf einer Minute (laufende Uhr) nach der Spielfortsetzung betreten.
Behandlungen und Untersuchungen ausserhalb des Spielfelds Wenn ein Spieler aufgrund einer Verletzung auf dem Spielfeld untersucht wird oder eine Spielunterbrechung verursacht, muss er das Spielfeld verlassen und nach Wiederaufnahme des Spiels eine Minute lang (laufende Uhr) ausserhalb des Spielfelds bleiben.
Erweiterung des VAR-Protokolls In Bezug auf das VAR-Protokoll haben die Teilnehmenden der Jahresversammlung drei Anpassungen verabschiedet. Wenn es eindeutige Beweise gibt, darf der VAR den Schiedsrichter in folgenden Situationen unterstützen:
- rote Karten aufgrund einer eindeutig falschen zweiten gelben Karte
- Spielerverwechslungen, wobei der Schiedsrichter einen Spieler des falschen Teams für ein Vergehen mit einer gelben oder roten Karte bestraft
- eindeutig zu Unrecht zugesprochener Eckstoss, sofern die Überprüfung sofort und ohne Verzögerung der Spielfortsetzung abgeschlossen werden kann (Option für Wettbewerbe)
Der IFAB sprach sich zudem für Tests betreffend taktische verletzungsbedingte Verzögerungen durch Torhüter aus und wird Optionen zur Unterbindung dieses Verhaltens vorschlagen. Spielregeln 2026/27 Ferner enthält die nächste Ausgabe der Spielregeln, die am 1. Juli 2026 in Kraft tritt (wobei Wettbewerbe, die vor diesem Datum beginnen, die Änderungen bereits früher anwenden können), folgende Änderungen:
Regel 3 – Spieler: Die Anzahl der zulässigen Auswechslungen in Freundschaftsspielen von A-Nationalteams wird auf acht erhöht, wobei sich die beiden Teams darauf einigen können, die Anzahl auf maximal elf zu erhöhen.
Regel 4 – Ausrüstung der Spieler: Ungefährliche Gegenstände sind zulässig, sofern sie sicher abgedeckt werden.
Regel 5 – Schiedsrichter: Wettbewerbe können den Schiedsrichtern das Tragen von (auf der Brust oder am Kopf befestigten) Bodycams gestatten, sofern der Wettbewerbsorganisator die Kameras zur Verfügung stellt und die Kontrolle über das Videomaterial hat.
Regel 8 – Beginn und Fortsetzung des Spiels: Es wird präzisiert, dass der Schiedsrichterball mit dem Team erfolgt, das in Ballbesitz geblieben bzw. gekommen wäre, wenn das Spiel nicht unterbrochen worden wäre.
Regel 10 – Bestimmung des Spielausgangs und Regel 14 – Strafstoss: Die im Zirkular Nr. 31 (Juni 2025) kommunizierte Präzisierung bezüglich einer versehentlichen Doppelberührung durch den Schützen wird in die Spielregeln aufgenommen.
Regel 12 – Fouls und sonstiges Fehlverhalten: Wenn der Schiedsrichter bei einem möglichen Vereiteln einer offensichtlichen Torchance auf Vorteil entscheidet, wird der fehlbare Spieler nicht verwarnt, wenn danach ein Tor fällt, da das Vergehen den Treffer nicht verhindert hat.
Der IFAB wird zudem Gespräche über die Einführung von Massnahmen für Situationen führen, in denen:
i. Spieler aus Protest gegen eine Entscheidung des Schiedsrichters einseitig beschliessen, das Spielfeld zu verlassen, oder Teamoffizielle dies veranlassen,
ii. Spieler ihren Mund bedecken, wenn sie während des Spiels an einen Gegnerspieler geraten.
Die Teilnehmenden der Jahresversammlung beschlossen des Weiteren die Weiterführung der Abseitstests und wurden über den neusten Stand bei der halbautomatischen Abseitstechnologie und den andauernden Tests zur Fussball-Videounterstützung unter Leitung der FIFA informiert.
Die 140. IFAB-Jahresversammlung, an der Vertreter der FIFA, des englischen, des schottischen, des walisischen und des nordirischen Fussballverbands sowie der IFAB-Administration teilnahmen, hat mit ihren Beschlüssen wichtige und zukunftsgerichtete Weichen gestellt, damit der Fussball schnell, fair und dynamisch bleibt.