FIFA
Freitag 09 Dezember 2022, 13:30

Jenas: Dienst zum Schutz in Sozialen Medien könnte "massive Auswirkungen" haben

  • Jermaine Jenas lobt den Schritt der FIFA, Spielerinnen und Spieler im Rahmen der Kampagne "No Discrimination" vor Beleidigungen im Internet zu schützen

  • Der ehemalige englische Nationalspieler produzierte letztes Jahr einen Dokumentarfilm über Hass in den Sozialen Medien

  • Alle Mannschaften und Spieler bei der FIFA Fussball-WM Katar 2022™ bekommen Unterstützung gegen Hassrede im Internet

Jermaine Jenas war einer der jüngsten Spieler im Kader Englands, als er im Alter von 23 Jahren bei der FIFA Fussball-WM Deutschland 2006™ für die Three Lions auflaufen sollte.

Damals gab es noch kaum Berührungspunkte zwischen dem Fussball und den Sozialen Medien. Heute sind sie jedoch untrennbar miteinander verbunden: Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung nutzt Soziale Medien, darunter Milliarden von Fussballfans.

Und anders als 2006 ist die große Mehrheit der 832 Spieler, die an der FIFA Fussball-WM Katar 2022 teilnehmen, in irgendeiner Form in den Sozialen Medien präsent. Das bietet ihnen allen die Möglichkeit, direkt mit dem riesigen Publikum, das das Turnier online verfolgt, in Kontakt zu treten, birgt aber auch einige Risiken – nicht zuletzt die Gefahr, beleidigende Nachrichten zu erhalten.

Im Juni veröffentlichte die FIFA einen Bericht, dem zufolge über die Hälfte aller Spieler, die an den Halbfinals und Finals der beiden letzten internationalen Turniere teilgenommen haben, mit Beleidigungen in den sozialen Medien konfrontiert waren. Als Reaktion darauf wurde mit Unterstützung der FIFPRO am 16. November bekanntgegeben, dass die FIFA Mannschaften und Spieler vor Hass im Internet schützen wird. Dazu wurde mit dem Social Media Protection Service (SMPS) ein Dienst zum Schutz in Sozialen Medien gestartet, der die Kampagne #NoDiscrimination flankiert.

Der Dienst, der mit Unterstützung der FIFPRO entwickelt wurde, überprüft die Konten aller Mannschaften, Spielerinnen und Spieler auf beleidigende Nachrichten und meldet diese an Social-Media-Unternehmen und – in den schlimmsten Fällen – an die Justizbehörden, damit diese gegen die Urheber vorgehen können. Mannschaften und Spieler erhalten außerdem Zugang zu einer Software, mit der sie beleidigende, diskriminierende und bedrohliche Kommentare innerhalb von Millisekunden automatisch ausblenden können.

"Ich finde es großartig, wie sich die FIFA mit diesem Service für die Spieler engagiert", so Jenas gegenüber FIFA.com.

"Darauf haben wir alle gewartet und das ist es, was im Sport gebraucht wird: etwas, das man in die sozialen Medien einbinden kann, das einen vor all diesen beleidigenden Worten und Emojis schützt und es [den Spielern] ermöglicht, das Turnier ohne derartige Ablenkungen zu spielen.

Die Vorteile für die Spieler liegen auf der Hand: Sie können sich auf eine Sache konzentrieren, und zwar voll und ganz auf diese eine Sache. Geh und mach das, was du liebst und was dir Spaß macht, nämlich Fussball spielen und versuche, einen großen Titel für dein Land zu gewinnen."

Die englische Mannschaft, in der Jenas spielte, schied damals im Viertelfinale aus – ein Abschneiden, das seiner Meinung nach in der Ära der Sozialen Medien beleidigende Reaktionen hervorgerufen hätte.

"Ich denke, wir haben als Mannschaft 2006 zu wenig erreicht", räumt Jenas ein. "Wir galten als die 'Goldene Generation' und das Ausscheiden im Viertelfinale war nicht schön. Ich kann mir kaum vorstellen, was für Beschimpfungen uns da an den Kopf geworfen worden wären. Ich denke, damit umzugehen, wäre sehr, sehr schwierig gewesen und hätte wahrscheinlich auch meine nächste Saison beeinträchtigt."

Neben dem Start des SMPS-Dienstes arbeiten FIFA und FIFAPro auch mit den Sozialen Medien zusammen, um die Unterstützung durch die Plattformen bei der Lösung des Problems zu gewährleisten.

"Wäre ich als Spieler heute in den Sozialen Medien unterwegs? Ich weiß es nicht", sagt Jenas. "Es hat seine Vor- und Nachteile, aber im Moment überwiegen die Nachteile. Es ist schon genug Druck, zu einer Weltmeisterschaft zu fahren und Fussball zu spielen, ohne dass man sich mit einer Menge Idioten herumschlagen muss, die einen beschimpfen, beleidigen und sogar bedrohen.

"Es gibt viele Spieler bei diesem Turnier, die in diesem Jahr viel damit (Online-Beleidigungen) zu tun hatten. Dass die FIFA einspringt und ihnen diese Sorge abnimmt, ist eine der Sachen, von denen die Spieler meiner Meinung nach massiv profitieren, weil sie sich so voll und ganz auf die Teilnahme am größten Turnier der Welt konzentrieren können."